Bibliotheks-Knigge für Pokémon Go? – Informationskompetenz für Spieler

In den verschiedenen Bibliotheks-Netzwerken läuft zurzeit eine heiße Diskussion über den Sinn und Unsinn von Pokémon Go in Bibliotheken. Wir haben auch schon einen allgemeinen Beitrag zu Pokémon Go und Bibliotheken in diesem Blog verfasst. Täglich gehen neue Beiträge und Perspektiven ein. Selten sind Diskussionen in diesen Foren so leidenschaftlich und unter so viel Beteiligung gelaufen.

Und auch sonst in den Medien, Familien, Freundeskreisen und Kollegien ist das Spiel zurzeit überall präsent. Wie auch immer Bibliotheken sich zu diesem Hype stellen: sie werden sicher niemanden vom Spielen abhalten. Warum die Welle also nicht nutzen, um Angebote zur Stärkung der Informationskompetenz ihrer Nutzer zu machen? Damit das Miteinander von Spielenden und Ruhe Suchenden in der Bibliothek reibungslos funktioniert, könnte außerdem eine Art Knigge hilfreich sein. Googelt man mit dem Suchbegriff „Pokémon Go Knigge“, erhält man tatsächlich diverse Treffer aus der Online-Presse. Die meisten weisen allerdings nur darauf hin, dass nicht alle Orte für die Pokémon-Suche angemessen scheinen, z. B. Friedhöfe oder Gedenkstätten (Bibliotheken werden hier übrigens nicht genannt) und nennen Gefahren im Straßenverkehr. Auch der Tipp, dass Betrügen (z. B. mit Fake-GPS) nicht nur uncool ist, sondern auch zum Verlust des Accounts führen kann, finde ich hilfreich. Es gibt allerdings sicher auch noch Bibliotheks-spezifischere Regeln, die man formulieren und (freundlich) präsentieren könnte. Ein paar erste Ideen dazu haben wir hier gesammelt. Weitere können gerne über die Kommentarfunktion des Blogs zusammengetragen werden.

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Screenshot aus dem Spiel: Spieler vor einem Pokéstop

Ideen für einen Bibliotheks-Knigge

  • Bitte die auch sonst üblichen Regeln beachten, was zum Beispiel die Lautstärke angeht.
  • Nur öffentliche Räume betreten, Privateigentum oder interne Räume sind ohne ausdrückliche Erlaubnis tabu.
  • Wer Fotos von Pokémon macht (es gibt diese Funktion im Spiel) muss respektieren, wenn andere nicht Teil des Bildes sein wollen.
  • Sich vorher versichern, dass man niemanden belästigt. Menschen, die sich durch das Spiel belästigt führen, zum Gespräch einladen.
  • Immer noch einen Rest Aufmerksamkeit für die reale Umgebung behalten
  • Während der Verbuchungsvorgänge oder Beratungsgespräche das Handy zur Seite legen.

 

Ideen für Informationskompetenz-Veranstaltungen in der Bibliothek

  • Pokémon Go ist eine kostenlose App. Trotzdem machen die Anbieter das natürlich nicht aus reiner Menschenliebe. Womit bezahle ich eigentlich?
  • „Ich habe doch nichts zu verbergen.“ Welche Daten will ich wo preisgeben? Wer nutzt sie?
  • Wie erkenne (und verhindere) ich kostenpflichtige In-App-Angebote?
  • Wo kann ich was fotografieren und unter welchen Bedingungen weiter nutzen?
  • Wie kann ich verhindern, dass meine spielenden Kinder ungeeignete Links erhalten oder auf kostenpflichtige Angebote hereinfallen (z. B. In-App-Käufe sperren)?
  • Wie kann ich beim Download die Seriosität der Quelle beurteilen, um Schadsoftware aus dem Weg zu gehen?
  • Wo bekomme ich seriöse Informationen und Besprechungen über Spiele? Wie kann ich recherchieren?

In der Stadtbibliothek Stuttgart wird für solche Veranstaltungen mit Experten wie zum Beispiel dem Chaos Computer Club zusammengearbeitet (Beispiele auf der Homepage der Stadtbibliothek Stuttgart). Vielleicht gibt es auch an Ihrem Ort einen kompetenten Partner dafür?

 

4 Gedanken zu „Bibliotheks-Knigge für Pokémon Go? – Informationskompetenz für Spieler

  1. Liebe Julia, ein sehr guter Artikel. Genau das ist der Punkt: Bibliotheken können der Ort sein, an dem differenziert und ausgewogen (keinen unreflektierten Hype, aber auch keine Verbote) über Pokemon Go gesprochen und beraten wird. Hier in Schleswig-Holstein werden wir gemeinsam mit dem Offenen Kanal SH das FilterCafe in die Bibliotheken bringen. Beim FilterCafe wird über Kinder- und Jugendschutz im Internet beraten und nebenbei Fragen zur Medienkompetenz beantwortet. Der erste Test in der Stadtbücherei Rendsburg brachte dazu eine Menge Fragen der NutzerInnen, die die Experten vom Offenen Kanal versiert beantworten konnten. Eine Fortbildung für BibliothekarInnen dazu gibt es in der Büchereizentrale SH: http://bz-sh.de/index.php/dienstleistungen/fortbildung/fortbildungsuebersicht/event/0/27-medienkompetenz/71-filtercafe-auf-bibliothekstour-kinderschutz-im-internet-veranstaltung-mit-dem-offenen-kanal-sh
    Viele Grüße aus dem Norden,
    Kathrin Reckling-Freitag

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