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Als Gamer bei der Fachstelle – Bibliotheken und Pokémon Go

In der Fachstelle bin ich als Bibliothekar für die Beratung der Klein- und Mittelstadtbibliotheken in Westfalen zuständig. Landesweit berate ich alle Bibliotheken z.B. bei der Einführung von RFID und Selbstverbuchungssystemen.

Vermutlich war ich der einzige Mitarbeiter der Fachstelle, der sich bereits vor dem offiziellen Start von „Pokémon Go“ auf das freute, was sich während der Sommerferien 2016 zu einem regelrechten Hype entwickeln würde. Das liegt daran, dass ich mich selbst durchaus als Gamer bezeichnen würde. Die Marke Pokémon ist bereits seit zwanzig Jahren fester Bestandteil der Gaming-Popkultur.

Pokémon Go – eine Verbindung zwischen Spiel und realer Welt….

Bei den Augmented-Reality-Spielen dieser Reihe geht es darum, Phantasiewesen – so genannte Pokémon (=Pocket Monster) – zu finden und zu fangen. Üblicherweise geschieht dies mit einer tragbaren („Handheld“-)Konsole auf dem heimischen Sofa. In Pokémon Go wird dieses Spielprinzip allerdings mithilfe mobiler Endgeräte wie Smartphones in die reale Welt übertragen.

Überall in NRW und auch darüber hinaus konnten also plötzlich eine Vielzahl von Einzelpersonen oder Gruppen dabei beobachtet werden, wie sie mit dem Smartphone vor der Nase durch Innenstädte und Parks streiften um Pokémons zu „jagen“. In Düsseldorf erlangte eine Brücke an der Königsallee nationale Berühmtheit für die sich täglich dort zu Hunderten treffenden Spieler. Nach und nach erlagen auch noch weitere Mitarbeiter/innen der Fachstelle ihrer Neugier und wurden nach Feierabend zu Pokémon-Sammlern.

Bibliotheken – attraktive Orte für Spielerinnen und Spieler….

Doch auch jenseits des privaten Vergnügens hatte die App eine gewisse Bedeutung für unsere Arbeit in der Fachstelle. Gedruckte und digitale Medien nehmen eine wichtige Rolle in Gesellschaft und Kultur ein. Öffentliche Bibliotheken sind Medien-Orte und gleichzeitig Orte des Austauschs, der Kommunikation und des lebenslangen Lernens. Als solche müssen Sie in der Lage sein, auf relevante Ereignisse – insbesondere in Zusammenhang mit den Themen Internet und Medien – zu reagieren. Dass hier jede Bibliothek auf sich alleine gestellt schnell gute Konzepte entwickeln kann, halte ich allerdings nicht für realistisch oder sinnvoll. In diesen Fällen setzen auch wir auf die Zusammenarbeit der weltweiten Bibliotheks-Community.

Am Morgen nach der offiziellen Veröffentlichung der App fiel mir ein sehr detaillierter Blogbeitrag einer US-Amerikanischen Kollegin mit vielen guten Ideen und Hinweisen auf, wie Bibliotheken attraktive Orte für Spielerinnen und Spieler werden können. Wir übersetzten den Artikel und machten diese Ideen auch deutschen Kolleginnen und Kollegen zugänglich [1]. Und in der Tat nutzten viele Einrichtungen in NRW die Chance dieses Ereignisses für sich.

Über das Medium Brücken schlagen….

Mir ist es an dieser Stelle jedoch wichtig, noch einmal zu betonen, dass nicht einfach Hypes um kommerzielle Medienprodukte unkritisch hingenommen oder unterstützt werden sollen. Für Bibliotheken kann es darum gehen, über das Medium mit Menschen ins Gespräch zu kommen und Brücken zu schlagen, zum Beispiel zwischen Spielern und Nicht-Spielern, Lesern und Nicht-Lesern oder Kindern und Eltern. Im Ergebnis sollen die Menschen nicht zum Medien-Konsum angeregt werden, sondern sich mithilfe eigener Erfahrungen eine persönliche Meinung bilden können. Dabei ist es auch nicht entscheidend, ob es sich um ein digitales Spiel oder eine kontrovers diskutierte Buchpublikation handelt.

Damit dies gelingt, reicht es natürlich nicht, Spieler lediglich in die Bibliotheken zu locken und anschließend sich selbst zu überlassen. Auch zur inhaltlichen Arbeit rund um das Spiel hat die Fachstelle im Blog mit einem „Knigge für Pokémon Go“ [2] Anregungen gegeben. Dass die Fachstelle heute zwei Jahre nach der Zentralisierung multiprofessionell zusammengesetzt ist, ist hierbei eine große Hilfe. Gemeinsam mit meiner Kollegin Julia Rittel, die als Bibliothekarin eine medienpädagogische Zusatzausbildung hat, erarbeiten wir Konzepte zur Weiterbildung der Bibliotheksteams im Bereich Medien- und Informationskompetenzförderung. Schön, wenn mein privates Interesse auch beruflich zur Förderung der Bibliotheken beitragen kann.


Weitere Informationen:

[1] Blogbeitrag „Bibliotheken und Pokémon Go“, 13.07.16
[2] Blogbeitrag „Bibliotheks-Knigge für Pokémon Go? – Informationskompetenz für Spieler“, 31.07.16

Einsortiert unter:Fachstellenalltag

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Mein Schwerpunkt ist die Bibliothek als realer, physischer Ort. Außerdem bin ich als bibliothekarischer Berater in den Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster unterwegs.

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