Trendthemen in Bibliotheken Teil 3

Unplugged und Badging – oder durch Ruhe zum digitalen Lernerfolg?

Und noch einmal ALA-Trends. Was unter unplugging und badging zu verstehen ist erfahren Sie hier – im dritten Teil der Blogreihe.

Wir leben in einer Zeit, in denen wir von Informationen überflutet werden. Das ist vielmehr eine Tatsache als eine Hypothese. Ständige Erreichbarkeit und permanenter Austausch führen dazu, dass es dem Einzelnen immer schwerer fällt Prioritäten zu setzen. Konzentriertes Arbeiten aber auch bewusste Zeiten der Entspannung leiden unter informationsüberfrachteten Umgebungen. Daher steigt der Bedarf an Ruhezonen, den sogenannten Unplugged Zones. Das Bedürfnis nach Ruhe spiegelt sich ebenfalls in neu gestalteten Programmen und Herausforderungen wie „Digital Detox“ oder „unplugging challenges“. Hierbei geht es darum, für eine bestimmte Zeit offline zu sein, dass Smartphone oder Tablet aus der Hand zu legen und die permanenten Informationswellen von sich abzuschirmen.

Die Tourismusbranche hat diesen Trend bereits für sich aufgegriffen. So gibt es beispielsweise Hotels die ihre Kunden mit dieser Philosophie gewinnen. Es mag mitunter auch sehr verlockend klingen: Drei Wochen pure Erholung ohne Anbindung ans Netzt und die Außenwelt. Entwicklungen in den USA gehen sogar noch weiter. Dort werden Kleidung und Smartphone Hüllen produziert, die aufgrund ihrer Beschaffenheit den Austausch von Daten unterbindet. Sprich, ist das Smartphone in der Hülle oder der Hosentasche, wird das Empfangen von Nachrichten und Informationen automatisch unterbunden. Auch in Street Art Projekten findet sich Digital Detox wieder – ein weiteres Indiz dafür, dass das Thema in der Gesellschaft angekommen ist (s. Abb.).

Digital Detox

CC BY-SA 2.0 „Another Plug for the Digital Detox Campaign“ von Michael Coghlan

Wie passt diese Entwicklung, die in Zukunft vermeintlich an Bedeutung gewinnen wird, mit kommunikativen Orten wie Bibliothek zusammen? Heißt es nun wieder: Zurück zum strengen Blick und Pssst!? Dieser Gedanke kann nicht das Ergebnis der Betrachtung dieses ALA-Trends sein. Der Bedarf an Ruhezonen ist vielmehr bei  räumlichen Planungen oder Umgestaltungen mitzudenken. Die Bibliothek bietet durch verschiedene Ausgestaltungen Anlass zu Kommunikation und Austausch. Warum als erweitertes Angebot also nicht auch Räume schaffen, in denen die Kunden bewusst zur Ruhe kommen können?

Badging

Kommen wir nun von der Ruhezone zurück ins Digitale. Der nächste Trend der Ihnen hier vorgestellt wird heißt Badging. Ursprünglich handelt es sich bei dem Begriff badge (engl. Abzeichen) um einen militärisch geprägten Begriff der die Kennzeichnung der verschiedenen Dienstgrade beschreibt. Soweit zu den begrifflichen Hintergründen. Hier soll Badging jedoch im Bildungszusammenhang erläutert werden. Beschrieben wird damit die Möglichkeit, individuelle Abschlüsse oder Zertifikate digital abzulegen und bei Bedarf direkt mit zentralen Stellen zu teilen.
Die Badges sollen dabei als Anerkennung für selbstgesteuerte und informelle Lernprozesse gesehen werden. Der Lernende erhält als Nachweis seiner Leistung also ein digitales Badge anstatt der bisher üblichen schriftlichen Bescheinigung. Damit die Idee von digitalen Badges überhaupt funktionieren kann, müssen jedoch einige Grundvoraussetzungen geklärt werden. Damit Zertifikate digital abgelegt und zugänglich gemacht werde können, müssen diese zunächst einmal von den Bildungseinrichtungen angeboten werden. Auch bei den Lernenden selbst sollte die Akzeptanz gegenüber Badges soweit gestiegen sein, dass diese als Dokumentation des eigenen Lernerfolgs anerkannt werden. Zusätzlich dazu sollten die Softwarevoraussetzungen  stimmen. Die Badges sollten als Open Source angeboten werden, da diese sonst nicht mit anderen Stellen geteilt werden können. Die Schaffung dieser Voraussetzungen bringt gleichzeitig neue Herausforderungen mit sich. Die Qualität, die Wertigkeit und die Erwerbsmöglichkeiten von Badges schwanken momentan stark. Sollte dieses Modell zukünftig verbreiteter angewandt werden, wird hier die Aufgabe darin bestehen, einheitliche Grundsätze sowohl für Anbieter als auch für die Lernenden zu schaffen.

Für Bibliotheken  besteht hier die Möglichkeit, sich mit Bildungspartnern zu vernetzen und so zum Schlüsselpartner bei Lerninitiativen zu werden. Und wer weiß, vielleicht sind Bibliotheken ja zukünftig nicht nur Partner beim Badgeerwerb sondern treten auch selbst als Anbieter auf.

weitere Teile der Beitragsreihe:

Trendthemen in Bibliotheken Teil 1 – Was sind ALA-Trends

Trendthemen in Bibliotheken Teil 2 – Fandom und Fast Casual

2 Gedanken zu „Trendthemen in Bibliotheken Teil 3

  1. Pingback: Trendthemen in Bibliotheken Teil 2 | Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW

  2. Pingback: Trendthemen in Bibliotheken Teil 1 | Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW

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