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Technik folgt Pädagogik

Von der Schulbibliothek in die Fachstelle – Qualifizierungs-Reisen durch NRW

Bibliotheken sollen sich längst nicht mehr nur als Kultureinrichtungen verstehen, sondern Bildungsinstitutionen sein, die aktiv bibliothekspädagogische Angebote für unterschiedliche Zielgruppen gestalten. Doch wer sorgt eigentlich für das pädagogische Knowhow der Bibliotheksbeschäftigten? Um die Lese-, Medien- und Informationskompetenz ihrer Nutzer fördern zu können, müssen ja zunächst einmal sie selbst möglichst umfassend über diese Kompetenzen verfügen. Und damit nicht genug: Müssen Sie doch ihr Wissen bei der Entwicklung und Planung methodisch sinnvoller Lehrkonzepte für unterschiedliche Zielgruppen umsetzen und mit sich ständig verändernden technischen Voraussetzungen umgehen. Nur so können Bibliotheken auf Augenhöhe mit Schulen, Kindergärten und andere Institutionen zusammenarbeiten und sie bei der souveränen Nutzung von neuen Medien unterstützen. Die Technik soll dabei nie Selbstzweck sein, sondern dort eingesetzt werden, wo sie einen echten Mehrwert bietet.

Qualifizierung für die Rolle als Bildungsanbieter….

Als Bibliothekarin und Medienpädagogin mit Berufserfahrung rund um Bibliothek und Schule durfte ich für die Fachstelle 2016 zur Qualifizierung der Bibliotheken für ihre Rolle als Bildungsanbieter in verschiedenen Programmen zur Medienkompetenz, zur (digitalen) Leseförderung und zur Bibliotheksdidaktik durch ganz NRW reisen, oft in Begleitung unserer Semester-Praktikantin Nathalie Funda.

BIPARCOURS – die App nicht nur für Bibliothekseinführungen….

Ein zentrales Thema war dabei die von Bildungspartner NRW zur Verfügung gestellte App BIPARCOURS, mit der sich z. B. Einführungen in die Bibliotheksbenutzung anschaulich und unterhaltsam medial aufbereiten lassen. Ich konnte meine Praxiserfahrungen als Pilot-Anwenderin an der Schulmediothek des Berufskolleg Bonn-Duisdorf und mögliche Effekte des Arbeitens mit der App in vielen Kurzvorträgen vorstellen. Außerdem haben wir in Kooperation mit Bildungspartner NRW zwei regionale Tagesfortbildungen in Aachen und Leverkusen durchgeführt, die neben der Einführung in die Technik den Schwerpunkt auf didaktische Fragen setzten. In der zweiten Tageshälfte hatten die Teilnehmenden jeweils Gelegenheit, sich konkret an der praktischen Umsetzung eigener Parcours zu versuchen. Wie gut, dass wir dabei zu dritt individuell auf Fragen und Probleme eingehen konnten. Die Fortbildungen waren schnell ausgebucht und es gab viel positives Feedback. Weitere Tagesfortbildungen in anderen Regionen NRWs wurden deshalb für 2017 in Bielefeld, Brilon und Hamm angesetzt.[1]

Technik folgt Pädagogik_17_01_17

Julia Rittel im Rahmen einer Kurz-Fortbildung im Bereich Bibliothekspädagogik.

APPening – welche App kennst Du?….

Ein neues Fortbildungsformat widmete sich unterschiedlichen Apps, die in Bibliotheken eingesetzt werden können. Beim APPening stellte jede teilnehmende Bibliothek kurz die App vor, mit der sie bereits im Bibliotheksalltag arbeitet. Ganz im Sinne einer aktiven Teilnahme konnten so alle Teilnehmenden von den Erfahrungen anderer profitieren. In den theoretischen Inputs zwischendurch ging es auch hier wieder um didaktische und rechtliche Fragen. Die technische Umsetzung der Fortbildung mit den zahlreichen mitgebrachten verschiedenen mobilen Endgeräten und ihren jeweiligen Kabel- und Anschluss-Formaten war eine echte Herausforderung, die wir zu zweit tapfer gemeistert haben. Das APPening war stark nachgefragt und soll in Zukunft regelmäßig stattfinden.[2]

Von der Buch-Idee bis zur Ausleihe….

Aus der Beratungs-Anfrage einer Bibliothek ist außerdem ein Kurz-Fortbildungsangebot im Bereich Bibliothekspädagogik entstanden. In Workshops im Rahmen der Regionalen Bibliothekskonferenzen in NRW haben wir „Schule gespielt“ und das vorher erarbeitete beispielhafte Konzept „Wie weit ist mein Buch gereist? – Von der Buch-Idee bis zur Ausleihe“ erläutert. Die Bibliotheksmitarbeiter/innen haben sich in die Rolle von Kindern versetzt und z. B. laminierte Fotos sortiert, Arbeitsblätter ausgefüllt oder Buch-Illustrationen betrachtet. Der Workshop hat 2016 auf den vier Konferenzen im Regierungsbezirk Köln stattgefunden und wird 2017 auch alle Bibliotheken in den anderen Regierungsbezirken erreichen. Das Material[3] stellt die Fachstelle auf ihrer Webseite zur Nachnutzung oder Abwandlung frei zur Verfügung.

Bildungspartner NRW – Partner der Fachstelle….

Die bibliothekspädagogische Arbeit für Kinder und Jugendliche stellt Bibliotheken aber nicht nur vor technische und didaktische Herausforderungen. Oft stellen sich auch noch andere Fragen: Wie können wir die Zielgruppen angesichts von Ganztagsschulbetrieb und vollen Lehrplänen überhaupt noch erreichen? Welche Angebote eignen sich für Jugendliche, die die deutsche Sprache nur wenig beherrschen? Welche neuen Aktionsideen funktionieren in der Praxis? Diesen Fragen widmete sich nicht nur die Tagesfortbildung „Neue Impulse für die Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit“ im Oktober[4]. Sie sind auch ständiges Thema in der Leitungs-AG der Bildungspartner NRW – Bibliothek und Schule, an der die Fachstelle sich aktiv beteiligt und gemeinsam mit der Medienberatung NRW und weiteren Partnern Konzepte weiterentwickelt.

Technik zum Auspacken – ein Blick ins Jahr 2017….

Zu Vermittlung von Informationskompetenz gehört nicht zuletzt aber auch die Bereitstellung der passenden technischen und räumlichen Infrastruktur in Bibliotheken. In der digitalen Welt sind das beispielsweise Computer, W-LAN oder Beamer; in neuerer Zeit auch 3-D-Drucker, E-Book-Reader, Spielekonsolen u.v.m. Um den Umgang mit verschiedensten Medien und Geräten vermitteln zu können, sollte zunächst das Bibliothekspersonal Gelegenheit bekommen, praktische Erfahrungen zu sammeln und aktuelle technische Angebote zu kennen. Wir haben uns deshalb 2016 auch mit der Vorplanung für drei mit Technik und passenden Selbstlernmaterialien vollgepackte Medienkoffer beschäftigt, die ab 2017 zum Ausprobieren und zur Entwicklung passgenauer Angebote für die jeweilige Zielgruppe durch die Bibliotheken in NRW reisen sollen, gelegentlich auch in Begleitung von uns…

Manchmal sitze ich auch am Schreibtisch….

Manchmal sitze ich aber auch am Schreibtisch in Düsseldorf. Dann stehe ich individuell zur Beratung zum Thema Bibliotheks- und Medienpädagogik zur Verfügung. Telefonisch, per Mail und persönlich versuche ich Fragen zur Nutzung und Gestaltung von medialen Angeboten, zur Veranstaltungskonzeption und zur Zusammenarbeit mit Schulen zu beantworten. Außerdem verfassen wir Blogbeiträge, in denen häufig nachgefragte Informationen, Links und Materialien (z. B. aus Fortbildungen) zur Nachnutzung zur Verfügung gestellt werden. 2016 waren das bespielsweise Beiträge zu den Themen Informationskompetenz für Pokémon-Go-Spieler[5], Apps in der Bibliothek[6], Bibliothekspädagogik[7] und Online-gestützte interkulturelle Bibliotheksarbeit[8].


Weitere Informationen:

[1] http://www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de/Bildungspartner/Veranstaltungen/
[2] https://www.th-koeln.de/weiterbildung/appening—app-in-die-bibliothek_38134.php
[3] http://www.brd.nrw.de/schule/privatschulen_sonstiges/oeffentl__Biblio__Container/007_Publikationen.html
[4] https://oebib.wordpress.com/2016/11/25/impulse-fuer-kinder-und-jugendbibliotheksarbeit/
[5] https://oebib.wordpress.com/2016/07/21/bibliotheks-knigge-fuer-pokemon-go-informationskompetenz-fuer-spieler/
[6] https://oebib.wordpress.com/2016/09/26/appening-app-in-die-bibliotheken/
[7] https://oebib.wordpress.com/2016/12/07/bibliothekspaedagogische-angebote-materialsammlung/
[8] https://oebib.wordpress.com/2016/12/19/deutsch-als-fremdsprachezweitsprache-angebote-zur-lernunterstuetzung/

Einsortiert unter:Fachstellenalltag

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Veröffentlicht von

Diplom-Bibliothekarin und Medienpädagogin bei der Stadtbibliothek Euskirchen und Vorsitzende der Expertenkommission Bibliothek und Schule des Deutschen Bibliotheksverbands e.V. dbv

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