Autorenpatenschaften für die frühkindliche Leseförderung

Die Autorenbegegnung mit Kleinkindern sieht natürlich anders aus als mit Kindern und Jugendlichen, trotzdem erhält die Vermittlung eines Kinderbuches durch den Autor auch für Kleinkinder eine besondere Bedeutung. Im Vordergrund steht der spielerische Umgang mit Sprache, Wortklang und Rhythmus. In erster Linie geht es um die ästhetische Wirkung von Sprache, die Freude an Worten und Geschichten. Autorenbegegnungen mit Kleinkindern ergänzen die schon vorhandenen Programme zur Leseförderung in Bibliotheken.

Der Friedrich-Bödecker-Kreis NRW e.V. bietet neben Autorenbegegnungen mit Kindern und Jugendlichen auch ein spezielles Programm für Kleinkinder an. Dieses richtet sich an Kleinkinder ab 3 Jahren und ist zeitlich auf eine Stunde begrenzt. Die Zusammenarbeit findet insbesondere mit Kitas, Eltern und Erziehern statt. Dabei greift man auf einen Pool von 40 Autorinnen und Autoren zurück, die sich auf die Gruppe der Kleinkinder spezialisiert hat.

Autorenbegegnungen im frühkindlichen Bereich beinhalten neben der klassischen Lesung oder dem Erzählen von Geschichten auch andere Elemente, die die Autorenbegegnung zu einer Spielwerkstatt machen.

Beispiele für besondere Elemente:

  • Musikalische Begleitung/(Mit-)Singen, lautmalerische Spiele
  • Mitmachtheater, Puppenspiel (Hand- und Stabpuppen)/Puppen/Stofftiere
  • Malen, Basteln, visuelle Unterstützung, Bilderbuchkino
  • Mehrsprachige Lesung (deutsch-englisch-türkisch)
  • Massagegeschichten

Quelle:

http://www.boedecker-kreis-nrw.de/index.php/fruehkindliche-lesefoerderung

Zu wenig oder zu viel online?

“Wer digital nicht existiert, hat es analog immer schwerer” so lautet die These des Artikels “Bist du zu wenig online” im aktuellen Heft der Zeitschrift Neon. Während es früher schwere Bedenken gegen eine Überpräsenz im Netz gab, besondere Ängste hatte man vor entlarvenden Fotos, versuchen heute Dienste wie Klaut oder Kred die Onlinereputation von Individuen zu bündeln und zu bewerten. Dabei kann der eigene Blog, die Anzahl der Follower bei Twitter und Freunde auf Facebook oder eingestellte Profile bei  Xing und LinkedIn eine Rolle spielen.

In Deutschland hat sich dieses System noch nicht durchgesetzt, aber in Amerika kann der persönliche Klautfaktor die Bewerbung für eine Arbeitsstelle beeinflussen, wobei es sicher auch auf die Branche ankommt. Vorteile hat man mit gutbewerterter Internetpräsenz, wenn es um ein Hotelzimmer-Upgrade, exklusive Einladungen oder spezielle Sonderangebote geht. Wer digital erfolgreich ist, bekommt dies auch positiv in der analogen Welt zu spüren.

Nicht nur der User selbst wird bewertet, auch wir bewerten Ärzte, Firmen und gekaufte Artikel im Internet und tragen somit zum Erfolg oder Misserfolg von Menschen und Produkten bei.

Es ist sicherlich nicht einfach, die richtige Balance zwischen online und offline im Bereich der Internetpräsenz zu finden, aber Jaron Lanier gibt in seinem Internetmanifest “Gadget” einen guten Ratschlag:”Man muss jemand sein, bevor man etwas mitzuteilen hat”.

Quelle:

Bist du zu wenig online? In: Neon, Nr.8/2015, S.80-83

Bibliothekskonferenz “Chancen 2016″ Bibliotheken meistern den Wandel (28.01.2016 in München)

In Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Information und Bibliothek (BIB), dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv), dem Goethe.Institut e.V. und der ekz.bibliotheksservice GmbH wird erneut nächstes Jahr eine Bibliothekstagung in München ausgerichtet.

Dort wird man der Frage nachgehen, wie sich erfolgreiche Veränderungsprozesse in Bibliotheken gestalten lassen. Die digitale Revolution neben der demographischen Entwicklung, die Globalisierung und eine gesteigerte Mobilität kennzeichnen den gesellschaftlichen Wandel dem Bibliotheken täglich begegnen.

Namhafte Referenten aus dem In- und Ausland zeigen Wege auf, wie Veränderungen in Bibliotheken erfolgreich gestaltet werden können. Die Veranstaltung ist für 270 Teilnehmer geplant. Die Online-Anmeldung ist ab dem 1.10.2015 auf der Website http://www.ekz.de möglich.

Quelle:

http://www.bibliotheksverband.de/dbv/

Gastbeitrag: Die „SPIELUNKE“ in der Stadtbibliothek Neuss

Es ist ein gewöhnlicher Mittwochnachmittag und durch die zweite Etage der Stadtbibliothek hallen Jubelrufe, abgewechselt von Beschimpfungen. Was passiert dort gerade? Die Bayern haben gerade gegen Barca gewonnen und zwar auf der Playstation 4. In der „Spielunke“ in Neuss wird gerade fleißig FIFA 15 gespielt, ein Fußballsimulations-Videospiel und eines der erfolgreichsten Spiele der letzten Jahre.

In den letzten Jahren sind digitale Spiele in der Mitte der Gesellschaft angekommen und werden als Kulturgut anerkannt, so auch in der Stadtbibliothek Neuss. Um den Lebensrealitäten von mehr als 30 Millionen Menschen[1] gerecht zu werden, bietet die Bibliothek seit rund fünf Jahren digitale Spiele zum Ausleihen an und seit Anfang des Jahres auch das Spielen vor Ort in der Bibliothek. Neben den Konsolen wurden auch Tablets zum Spielen in der Bibliothek angeschafft. Diese wurden von Mitarbeitern der Bibliothek mit Spielen sowie mit Bilderbuch-Apps „bestückt“. Die Tablets können sich Nutzer zum Gebrauch in der Bibliothek ausleihen („portables Gaming“).

In einer Reihe von Veranstaltungen versucht das Bibliotheksteam in unterschiedlichen Formaten, das Erlebnis Spiel zu gestalten. So gehören neben dem freien Spiel an der Konsole, auch Spielenachmittage mit analogen Spielen oder Bingo Nachmittage dazu.

Gamingbereich der Stadtbibliothek Neuss

Gamingbereich der Stadtbibliothek Neuss, die Spielunke (Bild: Stb Neuss, Facebook)

Ein ganz besonderes Projekt im Bereich Gaming gab es mit einer Realschule. Hier ging es um die medienübergreifende Vermittlung von Unterrichtstoff durch unter anderem Games, aber auch durch Bücher und einen Film sowie die damit verbundene, vielleicht andere Art zu lernen. Zwei neunte Klassen verbrachten jeweils einen Tag in der Bibliothek und beschäftigten sich mit den Themen Weltkrieg, Gewalt und autoritäre Regime. Diese Thematik war Inhalt unter anderem des Geschichtsunterrichts. Nach einer Vorbesprechung mit den Lehrern, machten wir uns an die Auswahl der Spiele und des Films. Dabei war es uns wichtig, neben den digitalen Spielen auch Brettspiele anzubieten. Die Bücher hatten sich die Lehrer aus einer von uns zusammengestellten Auswahl ausgesucht, um sie vor dem Projekttag in der Klasse zu lesen. Aufgrund der Kürze der Zeit waren es vor allem Graphic Novels oder jugendgerechte Sachbücher. Am Projekttag selber wurden die Klassen in der Bibliothek begrüßt. Ein Teil der Klasse startete mit dem Film, während der andere Teil sich den Spielen widmete. Hier wurde darauf geachtet, dass jeder jedes Spiel zumindest „angespielt“ hatte. Nach der Mittagspause wurde gewechselt.

Spiele, die gespielt wurden.

„Valiant Hearts“ für Konsolen und Tablets (Offizielle Webseite)

„Paper´s please“, für den PC (Offizielle Webseite, englisch)

„Risiko“, Brettspiel (Offizielle Webseite)

„Bürokratopoly“, Brettspiel (Offizielle Webseite)

Film, der gezeigt wurde: „Das Leben der anderen“ (Trailer auf Filmportal.de)

Der Tag kam sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern sehr gut an. Die Schüler waren sehr aufmerksam und haben hervorragend mitgearbeitet und auch die Lehrer waren sehr positiv eingestellt. Für uns sehr bemerkenswert war, dass die Schüler die Bibliothek durch dieses Projekt völlig anders wahrnahmen als zuvor. Wie in Gesprächen deutlich wurde, war die Bibliothek nun ein „cooler“ Ort. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat bei den Schülern vor allem das Spiel „Bürokratopoly“ sowie der Film. Die meisten Schüler gaben an, durch den Film am meisten „berührt“ worden zu sein und sich somit in die Thematik einfühlen zu können

Am Ende des Tages kamen alle zu einer Abschlussrunde zusammen. Hier wurde deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler, wenn nicht unbedingt Faktenwissen, aber zumindest ein Gefühl für vergangene Zeiten und historische Ereignisse bekommen haben. Bei einigen schien es, als ob das gesehene und „gespielte“ noch eine ganze Weile nachhing.

Auch mit den achten Klassen wurde diese Veranstaltungsform durchgeführt. Hier waren die Themen: Umwelt, Naturkatastrophen und Ressourcenumgang.

Spiele, die hier gespielt wurden:

„Sim City Edu“, für PC (Offizielle Webseite)

„God us“, für Tablets (Offizielle Webseite)

“Siedler von Catan”, Brettspiel (Offizielle Webseite)

“Fallout Shelter”, für Tablets (Offizielle Webseite)

Film, der gezeigt wurde: „Storm Hunters“ (Trailer auf YouTube)

Aufgrund der sehr positiven Resonanz planen wir, dieses Format auch im nächsten Schuljahr wieder anzubieten. Es gibt eine Fülle von Themen, die sich hier bearbeiten lassen. Die Veranstaltungen können je nach Altersstufe entsprechend angepasst werden.

Gezeigt hat dieses Projekt für uns, dass die Erlebnishaftigkeit des Spielens eine sehr gute Ergänzung zum rein kognitiven Erfassen des Stoffes im Unterricht ist. Im Spiel wird der Schüler selbst aktiv, greift in das Geschehen ein, spürt unmittelbare Konsequenzen eines Tuns beziehungsweise eines Unterlassens. So erfährt er einen direkteren Zugang zum Thema und erlangt einen nachhaltigeren Lernerfolg.

Eva Müller, Stadtbibliothek Neuss, Juli 2015

 

Die Stadtbibliothek Neuss im Netz:

Webseite: http://www.stadtbibliothek-neuss.de/

Facebook: https://www.facebook.com/bibneuss

Twitter: https://twitter.com/stbneuss

 

[1] BIU Bundesverband interaktiver Unterhaltungsoftware, http://www.biu-online.de/de/fakten/marktzahlen-2014/infografik-nutzer-digitaler-spiele-in-deutschland.html, aufgerufen am 07.07.2015