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Lernort Bibliothek – zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Teil 15

Erfahrungen der StB Köln mit dem Web 2.0-Fortbildungsprogamm

Gerade Web 2.0-Anwendungen eignen sich auf Grund ihrer Dynamik und wegen des – abgesehen von den Personalkosten – geringen finanziellen Aufwands sehr dafür, schnell praktische Erfahrungen zu sammeln. Einige Mitarbeiterinnen der StadtBibliothek Köln begannen daher Anfang des Jahres 2010 Accounts bei verschiedenen Diensten anzulegen und deren Möglichkeiten auszuprobieren. Innovationen sollten jedoch von Anfang an nicht nur von der Leitungsebene, sondern von großen Teilen des Teams mitgetragen werden. Dank des vom Land NRW durchgeführten Schulungsprogramms konnte sich eine große Zahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus nahezu allen Abteilungen praktisch mit den neuen Kommunikationskanälen und Werkzeugen beschäftigten und so den Nutzen für die tägliche Arbeit und die Außendarstellung der Bibliothek erkennen. Die Workshops haben für eine gewisse Aufbruchsstimmung und einen Motivationsschub gesorgt, neue interne Kommunikationswege, Kundenservices und PR-Maßnahmen zu entwickeln sowie insgesamt die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Sehr schnell fand sich eine Kerngruppe von interessierten Redakteurinnen und Redakteuren, die Facebook, Twitter und Blog auch im Alltag zuverlässig betreuen.
Durch eigene Initiative der Sachgebiete der Zentralbibliothek wurde ein Wiki aufgebaut, in dem die in der eigenen Verantwortung liegenden Regelungen der täglichen Arbeitsabläufe dokumentiert werden – dies ist sowohl für den Vertretungsfall als auch zur Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen sehr hilfreich. Die Teambildung wurde gefördert und ein Bewusstsein dafür geschaffen, auf welche unterschiedlichen Kompetenzen und Interessen im Arbeitsalltag zurückgegriffen werden kann. Es ist in der Zukunft noch mehr als bisher schon davon auszugehen, dass sich zu neuen Projekten Arbeitsgruppen abteilungs- und hierarchieübergreifend aus Initiative der Mitarbeiter bilden. Ein Beispiel ist der neu geschaffene „Denk-Kanister“ (i.e. Thinktank), der sich mit der Außendarstellung der Bibliothek beschäftigt. Neben der technischen Handhabung wurde durch die Workshops eine neue Kultur des Denkens propagiert, was schon jetzt positive Auswirkungen auf den Arbeitsalltag hat. Außerdem wurden hilfreiche Methoden eingeübt, mit denen innovative Services strukturiert entwickelt werden können.
Die städtische Online-Redaktion befürwortete die Web 2.0-Aktivitäten der Bibliothek. Es bestand Einigkeit darin, dass schriftlich fixierte Richtlinien und Empfehlungen für Web 2.0-Redakteure erforderlich sind. Hier konnten die Erfahrungen der Bibliothek hinsichtlich der Inhalte, Kommunikations- und Stilfragen, Organisation und Qualitätssicherung sowie von Sicherheits- und rechtlichen Aspekten unterstützend eingebracht werden.
Wie sehen die praktischen Erfahrungen aus? Anders als für die Museen und das Theater, mit denen übrigens regelmäßig Erfahrungen ausgetauscht werden, ist es für eine Bibliothek schwieriger, bei Facebook Fans zu bekommen. Doch mit einem täglichen Quiz während der Adventszeit, Preisen für schnelle Kundenreaktionen (z.B. freier Eintritt zu Veranstaltungen, freie Kurzmitgliedschaft) und verschiedenen Werbemaßnahmen (z.B. Lesezeichen, Hinweis bei Schulungsverstanstaltungen und auf Infoscreens im Haus) konnte die Zahl kontinuierlich gesteigert werden. Umfangreichere Inhalte sind für Facebook ungeeignet und werden daher im Blog publiziert. Mit Twitter wird ein anderes Publikum erreicht als mit Facebook. Flickr eignet sich zum Beispiel zur „Auslagerung“ von Fotos, die im Blog eingebettet werden können, damit der begrenzte Speicherplatz entlastet wird. Slideshare soll verstärkt für Schüler-Präsentationen (z.B. Recherchehilfen) genutzt werden. Interner Blog und Wiki werden schon jetzt rege genutzt, hierfür wurden Installationen im lokalen Netzwerk geschaffen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht an den Workshops der Zukunftswerkstatt teilnehmen konnten, werden in den kommenden Monaten in eigener Regie geschult.
Bei aller Begeisterung über die neuen Möglichkeiten bleibt festzuhalten, dass wir uns immer noch in der Anfangsphase von Social Media befinden. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Portale zukünftig Facebook, Diaspora oder „XXX-VZ“ heissen – die Bedeutung von sozialen Netzwerken insgesamt wird nach übereinstimmender Expertenmeinung noch weiter steigen. Dies betrifft übrigens nicht nur ihre Funktion als Kommunikationsplattformen sondern auch ihre Rolle bei der Internetsuche. Damit ist nicht nur gemeint, dass aktiv empfohlene Seiten communityweit ausgewertet werden sondern auch Mechanismen wie die automatisierte Berücksichtigung der Interessen des Freundes-Clusters beim Ranking von Suchergebnissen. Damit werden ureigene Funktionen von Bibliotheken berührt – nämlich die Erschließung und Vermittlung von Content aller Art sowie Kommunikation und Interaktion. Umso wichtiger ist es, dass Bibliotheken zum jetzigen Zeitpunkt trotz äußerst knapper Personaldecke Erfahrungen in diesem noch relativ neuen Bereich sammeln und dabei auf vom Land und von der Zukunftswerkstatt unterstützt werden können.

Frank Daniel, Stadtbibliothek Köln

http://www.facebook.com/Stadtbibliothek.Koeln

http://twitter.com/stbibkoeln

http://stadtbibliothekkoeln.wordpress.com/

http://zukunftswerkstatt.wordpress.com/

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