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Die Q-Thek als Symbol für die Bibliothek als Ort

2009 hat das Land NRW die Initiative „Lernort Bibliothek“ ins Leben gerufen. Mit der Abschlussveranstaltung am 15. Mai 2019 hat die Initiative ihr offizielles Ende gefunden. ProLibis hat das 10-jährige Jubiläum zum Anlass genommen, um noch einmal einen Blick zurück zu werfen. Wir freuen uns, dass wir diese Rückblicke nun auch auf unserem Blog veröffentlichen können. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW bedankt sich herzlich bei allen Mitstreitenden in den vergangenen 10 Jahren und natürlich bei den Autorinnen und Autoren dieser Artikel.


Von Anja Thimm, Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW

Zum ersten Mal begegnete mir das Q-Thek-Konzept während meines Studiums, genauer gesagt während der Recherche zu meiner Abschlussarbeit zum Thema „Lern-Raum-Atmosphäre – Gestaltung einer Lernlandschaft für Bibliotheken“. Da ich selbst bis zu diesem Zeitpunkt Öffentliche Bibliotheken eher als Ausleihinstitution genutzt habe, gab mir die Idee der Q-thek damals Inspiration für den Entwurf von Lernsituationen in Bibliotheken.
Mit der Bewerbung als Innenarchitektin bei der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW im Herbst 2015 begegnete mir die Q-thek dann erneut. Durch die Anstellung in der Fachstelle im Februar 2016 und die Beschäftigung mit dem Thema Bibliothek als Aufenthaltsort, konnte ich mich noch einmal näher mit der Q-thek befassen. Ich habe die einzelnen Aspekte und Elemente kennengelernt, den Gesamtzusammenhang verstanden und mir die Umsetzung in einigen Bibliotheken anschauen können.

Ausschreibung_Lernort

Stadtbibliothek Bergheim: Das Lichtobjekt ist auch hier zu einem Wahrzeichen der Bibliothek geworden


Mantra: Aufenthaltsqualität
Schon sehr bald kam die Frage auf, ob ein 2011 entwickeltes Raumkonzept noch immer Bestand hat. Zur gleichen Zeit wuchs die Popularität des Begriffes des Dritten Ortes in Bibliotheken und das Wort Aufenthaltsqualität wurde zum Mantra meiner täglichen Beratungsarbeit. Um die Aktualität der Q-thek zu überprüfen, muss man sich deren Bestandteile und charakteristischen Merkmale zunächst einmal genauer ansehen. Was ist die Q-thek und wie funktioniert Sie?
Die Q-thek heißt Nutzerinnen und Nutzer Willkommen und lädt zum Verweilen ein:
Eine einladende Gestaltung ist derzeit das Ziel aller Öffentlicher Bibliotheken, die ich kenne. Eingangsbereiche werden neu gestaltet, sollen offen und freundlich die Nutzer in die Bibliotheken ziehen. Das Design soll alle Nutzer und Altersgruppen ansprechen, niemand wird ausgeschlossen. Es werden Aufenthaltsbereiche mit verschiedenen Funktionen, wie z.B. Loungebereiche, Lesecafés und Arbeitsplätze angeboten, die zum Verweilen einladen. Insgesamt steigt die Aufenthaltsdauer der Nutzer in der Bibliothek.
Sie ist transparent und offen in der Raumgestaltung:
Bei der Gestaltung von Bibliotheksräumen wird heute, überall wo es möglich ist, davon abgesehen, geschlossene Bereiche einzurichten. Der Nutzer soll sich gut in den Räumlichkeiten zurechtfinden und orientieren können, was unter anderem durch eine strukturierte Medienaufstellung und ein ausgearbeitetes Leit- und Orientierungssystem erreicht wird. Es werden Sichtachsen geschaffen, durch welche der Raum mit seinen Angeboten leicht erfasst werden kann, Regale werden möglichst niedrig geplant und Anlaufpunkte durch Beleuchtung, Beschriftung und Farbgestaltung hervorgehoben.
Die moderne Technikausstattung ist erkennbar:
Wir alles wissen, die Digitalisierung macht auch vor Bibliotheken keinen Halt und die damit einhergehenden Angebote entwickeln sich schnell weiter. Neue Medienformate und Technikangebote finden in den Bibliotheken einen Ort, an welchem sie vermittelt, ausprobiert werden können und allen Nutzern zur Verfügung stehen. Hierfür müssen sie sichtbar sein und so präsentiert werden, dass Berührungsängste von vornherein minimiert werden. Um dies gewährleisten zu können, ist eine Ausstattung der Räumlichkeiten mit ausreichend Steckdosen,, Netzwerkzugängen und WLAN enorm wichtig. Möbel werden elektrifiziert, Bildschirme informieren oder leiten die Besucher, technische Endgeräte werden den Nutzern möglichst ohne Einschränkungen zur Verfügung gestellt oder von ihnen selber mitgebracht.
Das Mobiliar ist modular:
Flexibilität ist ein Stichwort, welches in den vergangenen Jahren bei der Einrichtung von Bibliotheken an Wichtigkeit deutlich gewonnen hat. Bibliotheken müssen sich der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft und den damit einhergehenden Veränderungen anpassen können. Dies stellt eine nachhaltige Raumgestaltung vor große Herausforderungen. Durch die Ausstattung mit modularen Einrichtungsgegenständen ergeben sich bei Bedarf neue Kombinationsmöglichkeiten. Regale werden mit Rollen ausgestattet, Arbeitstische können zu verschieden großen Gruppenarbeitsplätzen zusammengestellt werden und Raum-in-Raum-Möbel finden ihren Einsatz.
Präsentieren, Relaxen, Lernen, Kommunizieren und Informieren:
Diese fünf Aspekte sind heute wie 2011 aktuell. Die Kombination aus der Präsentation des Medienbestandes mit Aufenthaltsmöglichkeiten verschiedener Funktionen stellt bis heute den Schwerpunkt der Bibliotheksgestaltung dar. Weitere additive Bereiche wie Veranstaltungsflächen und neue Funktionsbereiche wie MakerSpaces und Gamingecken sind hinzugekommen. Alle diese Bereiche fließen in der Bibliothek zusammen und bilden somit nicht nur Teilbereiche, sondern machen in ihrer Gesamtheit die Bibliothek aus. Der Aspekt des Präsentierens beschränkt sich hierbei nicht nur auf ausgewählte Medien, sondern auf den gesamten Medienbestand und alle, auch technischen Angebote.
Das Lichtobjekt:
Das Lichtobjekt, welches den Weg zur Q-thek weist, ist zum Symbol für den Lernort Bibliothek geworden. Als Widererkennungsmerkmal dient er der Markenbildung der Bibliothek. Häufig wurde es bei der Umsetzung so platziert, dass es bereits außerhalb der Bibliothek sichtbar ist. Die Kombination mit der Medienpräsentation spielt für den Symbolcharakter des Leuchtobjektes keine Rolle. Vorstellbar wäre es auch, das Leuchtobjekt durch ein anderes Symbol zu ersetzen. Wichtig ist am Ende der Wiedererkennungswert.
Q-thek vs. Bibliotheksräume heute:
Im Q-theks-Konzept werden die Regale und die Medienpräsentation um die Q-thek herum gruppiert. Die Q-thek versteht sich als eigener Bereich in den Räumlichkeiten der Bibliothek. Jedoch lässt sich das Q-theks-Konzept auf die gesamte Bibliothek und deren Räumlichkeiten anwenden. Die Teilaspekte der Q-thek finden sich in allen Teilbereichen der Bibliothek wieder. Es gibt nicht einen Lernort in der Bibliothek, sondern die Bibliothek an sich ist dieser Ort. Zudem ist sie Aufenthaltsort, Begegnungs- und Freizeitstätte und noch vieles mehr.
Bereiche zum Relaxen finden sich z.B. in Form von „Chillmöbeln“ in Jugendbibliotheken oder als Loungebereiche mit bequemen Polstermöbeln im Bereich der Belletristik, wo geschmökert werden kann. Kommuniziert wird sowohl in Gruppenarbeitsbereichen, sowie in Lesecafés oder auf Leseterrassen an Bistrotischen. Gelernt wird nicht mehr nur an Arbeitstischen mit PCs oder Medien, sondern auch beim „Maken“ oder „Gamen“.
Die Bibliothek ist heute so gesehen eine Q-thek und somit steht die Q-thek für die Bibliothek als Ort.

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