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Generation Gaming

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt das Konzept der Stadtteilbibliothek Oberhausen-Sterkrade zum Thema Gaming vor.

Neuer Ort – Neue Angebote

Mit dem Umzug der Stadtbibliothek Sterkrade Anfang 2016 auf eine ebenerdige, großzügige Fläche an der Wilhelmstraße (ehemalige Zweigstelle der Stadtsparkasse) im Innenstadtbereich wurde eine konzeptionell komplette Neuausrichtung der stadtteilbezogenen Bibliotheksarbeit realisiert. Die neue Stadtbibliothek soll sich zu einem zentralen Anlaufpunkt im Stadtteil Sterkrade entwickeln, in dem sowohl Bildungs- und Informationsbedürfnisse wie auch Freizeitinteressen umfassend befriedigt werden. Diesem Ziel konnten wir im ersten Jahr nach der Neueröffnung deutlich näher kommen, wie dies u.a. durch die überaus positive Entwicklung der Neuanmeldungen belegt wird, die steigende Nutzung als Lernort, Treffpunkt und attraktiver Aufenthaltsort wird durch die deutliche Erhöhung der Nutzerzahlen anhand der Zählung an den Gates verifiziert. Die Stadtbibliothek Sterkrade stellt ihren Kunden öffentlich nutzbare Arbeits- und Studienmöglichkeiten bereit wie auch Räume des Begegnens, des Treffens und der Kommunikation. Die Stadtbibliothek Sterkrade wurde ein zentraler Lern- und Arbeitsort für Einzelne und Gruppen. Hierfür werden für die verschiedenen Aktivitäten unterschiedlich gestaltete, z. T. variable Umgebungen angeboten, zum Beispiel das Café, separate Lernräume, ein Seminarraum, die Kinderbibliothek, die separate Jugendbibliothek, die Bühne etc.

Die Stadtteilbibliothek Sterkrade richtet vor diesem Hintergrund ihre inhaltlichen Angeboten insbesondere an Kinder, junge Menschen, Familien und Senioren und versucht gezielt, diese unterschiedlichen Altersgruppen weitestgehend zusammenführen.

 

 

Generation Gaming

In Oberhausen wurde das Thema „Gaming“ in Bibliotheken erstmals nach aktiver Unterstützung der Bezirksregierung Düsseldorf in der Stadtbibliothek Sterkrade aufgegriffen und durch die Einrichtung einer Gaming-Zone realisiert. Personen allen Alters erhalten hier digitale und nicht-digitale Spielangebote, ein medienpädagogisch ausgerichtetes Angebot wurde angeboten und ausprobiert. Es war klar definiert, dass es sich um ein „Unterhaltungsangebot“ handelt, das die Förderung von Kompetenzen und gemeinsamem Erleben in den Mittelpunkt stellt.

Dieses begleitete Angebot wurde in einem regelmäßigen Rhythmus in den späten Nachmittagsstunden angeboten. Dabei wurden an den einzelnen Wochentagen unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und unterschiedliche Ziele- bzw. Altersgruppen angesprochen.

Die Projektleitung wurde mit einer Honorarkraft aus der Community, die zudem medienpädagogische Kenntnisse hatte, besetzt.

Konsolenspiele wurden bereits vor der Wiedereröffnung angeboten, dieser Bestand wurde deutlich erweitert und um ein Fachmagazin und DVDs zum Thema ergänzt. Auf einem vorhandenen Touchscreenmonitor werden auf einer Linkliste Blogs und Seiten hinterlegt, die sich speziell mit dem Thema Gaming beschäftigen.

Daneben wurden Aktionen, wie z.B. ein Poetryslam speziell für Jugendliche oder ein spezielles Mädchenprogramm mit Airbrushtatoos angeboten, um auch andere Zugänge zu den Jugendlichen zu ermöglichen.

Um das gesellige Element bei den Treffen zu unterstreichen, gab es dabei diverse kostenfreie Softdrinks.

Im Rahmen dieses Projektes wurden folgende Schwerpunkte für Interessenten angeboten:

  • Spieletester; Strategiespiele auf ihre Tauglichkeit was Lernerfahrungen betrifft durchforsten
  • Gaming für Schülerinnen und Schüler
  • Spieletesttage in Kooperation mit unterschiedlichen Partnern
  • Just for girls
  • Gaming für Erwachsene
  • Gaming für Väter und Mütter; Eltern- und Kind Spielenachmittage
  • Gamingangebote für Senioren
  • Retrogaming

Daneben gab es das erste Fifa Turnier im Einzelspieler- und Mannschaftsmodus. Die Pokale wurden von der in Oberhausen ansässigen Lokalredaktion der Neue Ruhr Zeitung (NRZ) gestiftete. Die örtliche Sportredaktion begleitete das Event mit Berichten.

Die Stadtbibliothek Sterkrade verfügt über eine Gamingzone mit zwei parallelen Spielmöglichkeiten. Darüber hinaus wurde transportable Gaminghardware angeschafft, die in Sterkrade sowohl auf der Bibliotheksfläche als auch im Seminarraum eingesetzt wurde.

Die fachliche Begleitung während und am Ende des Projektes durch Christoph Deeg haben eine fundierte und qualifizierte Auswertung gemeinsam mit dem gesamten Team der Sterkrader Bibliothek ermöglicht und Perspektiven für die weitere Arbeit aufgezeigt.

Empfehlungen: Technische Ressourcen

Christoph Deeg empfiehlt für den Standort Sterkrade eine multioptionale Nutzung der technischen Ressourcen. Deshalb sollten weitere Sätze Netzkabel (Playstation 4) bzw. Netzteile (XBOX One), sowie entsprechende HDMI-Kabel beschafft werden. Dadurch ergeben sich flexiblere Einsatzmöglichkeiten, um an anderen Orten zu spielen oder z.B. im Kontext von Spielen im Bereich USK18 – aktiv zu sein. Zudem empfiehlt sich beim freien Spiel in der Bibliothek die Verwendung auf die Konsolen Playstation 4 und XBOX One zu konzentrieren. Die ebenfalls vorhandene Konsole Nintendo Wii U würde dann nur zu besonderen Anlässen bzw. auf Anfrage aufgestellt werden.

Im Rahmen einer Ortsbegehung wurde festgestellt, dass das Umschalten der Konsolen an den Monitoren sehr kompliziert ist. Hier würde ein einfacher HDMI-Switch Abhilfe leisten können.

Sinnvoll wäre ebenso der Umbau eines Bücherwagens für Controller und andere Geräte wie z.B. iPads. Alle Controller, iPads, eBook-Reader etc. werden auf einem zentralen Wagen aufgeladen. Dafür werden Ladestationen fest installiert. Am Abend werden mit dem Wagen dann alle Controller etc. eingesammelt und in die Ladestationen gelegt. Der Wagen muss dann nur als Ganzes an einem zentralen Ort an den Strom angeschlossen werden und alle Geräte werden über Nacht aufgeladen.

Empfehlungen: Personal-Ressourcen

Die folgenden Empfehlungen von Christoph Deeg basieren auf dem Versuch eine möglichst gute Auslastung der Gaming-Angebote bei gleichzeitiger Verhinderung einer Überlastung des Bibliothekspersonals zu gewährleisten.

  1. Das vorhandene Angebot sollte massiv verkleinert werden. Der Versuch, gleichzeitig viele Zielgruppen zu erreichen und zu begeistern war leider nicht erfolgreich. Zunächst sollte man sich auf die Zielgruppen „Kinder“ und „Jugendliche“ beschränken. Das vorhandene Angebot sollte angepasst und stabilisiert werden. Daran anschließend könnte dann die Suche nach Kooperationspartnern z.B. Schulen beginnen.
  2. Ziel wäre daraus resultierend ein Aufrechterhalten bzw. Ausbauen des freien Spiels sowie die Durchführung von 2-3 Gaming-Veranstaltungen im kommenden Jahr. Alle Werbeaktivitäten und auch die Ausbildung des Personals sollten darauf ausgerichtet werden. Konkret bedeutet dies, dass möglichst jeder Mitarbeiter/jede Mitarbeiterin in der Lage ist, die Konsolen und PC’s sowie darauf vorhandene Spiele zu starten. Ebenso wichtig wäre die Fähigkeit, Controller zu aktivieren. In den meisten Fällen beherrschen die Spieler diese Funktionen selber. Trotzdem sollte dies allen Mitarbeitern bekannt sein.
  3. Spielen kann man nur gegen Vorlage eines Benutzerausweises. Die Spieldauer beträgt 30 Minuten und kann verlängert werden, wenn es keine anderen Spieler gibt. Jedes Spiel und jeder Controller sind ein eigener Ausleihvorgang.
  4. Es wäre alternativ möglich, einen Gaming-Club zu gründen. Um spielen zu können, muss man Mitglied des Clubs sein. Dafür gibt es eine Clubkarte. In manchen Bibliotheken wird hierfür der normale Benutzerausweise genommen. Dann wäre der Ausweis in diesem Fall kostenlos. Der Gaming-Club wäre eine verschworene Gemeinschaft und er könnte auch als Testsystem für neue Spiele agieren (Spieletester). Ebenso könnte der Gaming-Club die Mitglieder dazu animieren, sich spielerisch noch weitere Medien und Inhalte zu erschließen.
  5. Eine weitere Option wäre die Durchführung von 2-3 Gaming-Veranstaltungen. In diesem Kontext wäre das Spielen in der Bibliothek dann eine Form des Trainings. So könnte die Bibliothek an bestimmten Wochentagen die Spiele festlegen die gespielt bzw. trainiert werden.
  6. Um dies zu gewährleisten, sollten alle Mitarbeiter alle 5 Jahre die Gamescom besuchen, um sich zu informieren und sich zu vernetzen.
  7. Eine etwaige neue Stundenkraft (Fachkraft) sollte das Portfolio an Aktivitäten nicht erweitern sondern das vorhandene Angebot stabilisieren. Dazu gehört auch die Unterstützung der anderen Bibliotheksmitarbeiter. Hiermit ist gemeint, dass die Bibliotheksmitarbeiter in kleinen Schritten die Gamingwelt kennenlernen sollten. Die Fachkraft sollte in 1-2 Jahren nur noch für Sonderaufgaben zuständig sein.
  8. Alternativ wäre die temporäre Fokussierung auf das Thema Gaming durch alle Bibliotheken in Oberhausen. D.h. bedeutet für 1-2 Wochen wird das Thema in allen Bibliotheken in Oberhausen zum zentralen Thema. Es gibt Informationsveranstaltungen, Wettbewerbe und überall in allen Bibliotheken werden den ganzen Tag digitale und analoge Spiele gespielt. Ziel dieser Aktion wäre es, eine Welle zu erzeugen, die so stark ist, dass das Thema dann in Sterkrade für einige Monate am Laufen hält. Dieser Ansatz wäre ressourcenschonend und würde zudem eine Vernetzung mit Gaming-Communitys erleichtern, denn solche größeren Events erzeugen in der Regel eine viel größere Aufmerksamkeit.

Projektlaufzeit und Ausblick

Durch die Bewilligung im Mai 2016 hatte das Projekt nur eine Laufzeit von 7 Monaten. Die Anschaffung der speziellen Hard- und Software bereitete durch die in diesem Fall besonders komplizierte verwaltungstechnische Abwicklung Schwierigkeiten. Die Bestellungen verzögerten sich dadurch in besonderem Maße und konnte leider erst zum Auslauf des Projektes umgesetzt werden. Daher konnten einige Ideen nicht realisiert werden, sollen aber nun, auch nach einem Wechsel beim „Gamingbeauftragten“ wieder aufgenommen werden.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem Bibliotheksteam und Christoph Deeg wurde gemeinsam erörtert und von Christoph Deeg verschriftlicht. Dabei wurde abgesprochen, wie das weitere Vorgehen in Sachen Gaming in der Stadtbibliothek Sterkrade schrittweise erfolgen soll. Eine neu ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe bestehend aus dem Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek Sterkrade und weiteren Interessierten erarbeitet zur Zeit die weiteren Handlungsschritte auf Grund dieses Konzeptes.


Die Stadtbibliothek Oberhausen stellt sich vor:

Oberhausen ist eine kreisfreie Großstadt und Mittelzentrum des westlichen Ruhrgebietes im Regierungsbezirk Düsseldorf mit etwa 210.000 Einwohnern. Die Stadtbibliothek besitzt 4 Standorte, auf die sich 44 Beschäftigte aufteilen.

Weitere Informationen auf der Webseite der Stadtbüchereien unter:

https://www.oberhausen.de/stadtbibliothek
oder auf der Facebook-Seite der Stadtbüchereien unter:

https://www.facebook.com/Stabibob/

Ansprechpartner:

Hans-Joachim Mattheis
Leiter Zentralservice

Langemarkstraße 19-21
46045 Oberhausen

E-Mail: hajo.mattheis[at]oberhausen.de

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