comments 3

Von Visionen und der Schere im Kopf

Im November ist die zweite Fortbildungsreihe „Den Roten Faden finden – Wir entwickeln eine Bibliotheksstrategie“ gestartet. Diese wird uns nun bis zum Herbst 2018 begleiten. Wir berichten sowohl hier auf dem Blog als auch auf Facebook und Twitter unter #RoterFaden.  Wer sich einmal einen Überblick über die Fortbildung verschaffen möchte, dem sei der Rückblick auf die erste Runde ans Herz gelegt.

Aber nun möchte ich Sie nicht weiter mit Details langweilen. Viel lieber möchten wir hier auf dem Blog nach jedem Workshop mit Ihnen über Themen sprechen, die im Rahmen der Konzepterstellung für Bibliotheken von Bedeutung sind.

Zu Beginn des ersten Workshops begegnet einem ziemlich schnell das Thema „Visionsarbeit“. Wozu ist diese eigentlich nötig? Und was unterscheidet eine Vision von einem Ziel? Lassen Sie uns diese Fragen gemeinsam betrachten.

Es gibt ein schönes Zitat von Joseph Beuys, welches ich an dieser Stelle gerne aufgreifen möchte:

„Die Zukunft, die wir wollen,
muss erfunden werden.
Sonst bekommen wir eine,
die wir nicht wollen.“
(Joseph Beuys)

Herr Beuys fordert uns also dazu auf, unsere Zukunft selbst zu erfinden. Eine ganz schön große Herausforderung! Genauso sind Visionen. Sie gleichem einem großem Traum. In unserem Fall sprechen wir hier von Ihrer Traumvorstellung von Bibliotheken. Und wie das mit Träumen ebenso ist, können dementsprechend auch Visionen unterschiedlich ausfallen.

Jetzt höre ich Sie schon sagen: „Ja… aber in der Realität ist das ja alles ganz anders, da sind die Rahmenbedingungen nun mal so, wie sie sind etc. pp.“. Ich bitte Sie, dieses kleine „Quengelmonster“ noch für einen kurzen Moment zum Schweigen zu bringen. Ich verspreche Ihnen aber, wir widmen uns diesem Tierchen später noch.

Wir stellen also fest, Visionen hat man. Sie tragen Sie in sich. Sie brauchen ggf. nur noch einen Feinschliff. Dies ist der große Unterschied zu Zielen. Diese tragen Sie in der Regel nicht schon im Kopf mit sich herum. Diese setzten Sie sich ganz bewusst, um Ihrer Vision ein Stückchen näher zu kommen.

Es reicht jedoch nicht aus, dass Sie für sich alleine im stillen Kämmerlein eine Vision vor sich hertragen. Diese will auch kommuniziert werden. Sowohl nach innen innerhalb Ihres Teams und der Kommune als auch nach außen Ihren Kunden gegenüber. Dies ist ein elementarer Schritt in der strategischen Bibliotheksarbeit.

Und hier kommt in der Regel die Schere im Kopf oder das eben schon genannte „Quegelmonster“ ins Spiel. Die Gedanken daran, dass vielleicht nie die Mittel und das Personal da sein werden um Ihre Vision umzusetzen, beschränken Sie darin, groß zu denken. Lassen Sie einmal alle Bedenken bei Seite und schnappen Sie sich die rosarote Brille. Träumen ist an dieser Stelle ausdrücklich erlaubt!

Bibliotheksvision_18_01_16

Quelle: Vahs, Dietmar (2005): Organisation – Einführung in die Organsiationstheorie und –praxis. 5. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel. S. 128

Sie werden Ihre Vision nie von heute auf morgen in die Tat umsetzten können. Müssen Sie aber auch nicht. Wie sagt man so schön: der Weg ist das Ziel! 🙂

Jetzt könnte man sich ja aber auch auf den Standpunt stellen, dass das alles völliger Quatsch ist. Wir lassen das mit der ganzen Träumerei und Visionsarbeit bleiben und widmen uns der Realität im Alltag. Das hat doch noch immer am besten funktioniert.

Warum ich Ihnen davon abraten möchte, veranschaulicht folgende Grafik aus den Schriften der Verwaltungsreform:

Grafik Verwaltungsreform_18_01_16

Quelle: Schriften zur Verwaltungsreform: Qualitätsmanagement und lernende Organisationen in der Landesverwaltung Baden-Württemberg. Band 19

Es wird davon ausgegangen, dass sechs Handlungsblöcke entscheidend für die tatsächliche Gestaltung eines Wandels sind: Vision, Kommunikation, Fähigkeiten & Einsicht, Ressourcen, Anreize und Aktionspläne. Fehlt einer dieser Handlungsblöcke, ist die Konsequenz der entsprechend orange hinterlegte Block in der Reihe.

Fehlt also die Vision, wird der Wandel durch Konfusion behindert. Konfusion dadurch, dass Sie selbst nicht so genau wissen, in welche Richtung Sie eigentlich gerade laufen. Und wenn Sie es schon nicht wissen, können Sie es kaum von Ihren Mitarbeitern oder Ihrem Umfeld erwarten.

Wenn Sie nicht darüber sprechen, welchen Weg Sie einschlagen und warum Sie das tun, werden Sie mit ziemlicher Sicherheit auf Ablehnung stoßen. Schlicht und ergreifend deswegen, weil nicht verstanden wird, warum Sie einen neuen Weg einschlagen. Entsprechend können Sie sich weiter durch die Grafik lesen.

Demnach empfinde ich es als durchaus ratsam, sich die Zeit zum Träumen – sprich für die „Visionsarbeit“- zu nehmen. Sie ist ein Grundstein für jedes Bibliothekskonzept, der gut gefestigt sein will.

Eine Frage bleibt zum Schluss. Warum sprechen wir hier darüber, einen tatsächlichen Wandel gestalten zu wollen?

Weil das Verfassen eines Bibliothekskonzeptes nichts anderes ist, als auf den Wandel in der Bibliothekslandschaft zu reagieren. Sie reagieren damit jedoch nicht nur auf den Wandel innerhalb der Bibliothekslandschaft, vielmehr beruht dieser auf sich schnell ändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Also seien Sie mutig und erfinden Sie frei nach Beuys Ihre Zukunft selbst.

Filed under: Bibliotheksmanagement

About the Author

Veröffentlicht von

In der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW bin ich Ansprechpartnerin für die Kolleg*innen der Regierungsbezirke Arnsberg und Köln. Inhaltlich beschäftige ich mich mit den Themen Bibliotheksmanagement und Fortbildungen.

3 Comments

  1. Pingback: Ansätze für Strategische Planungen in Bibliotheken finden | Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW

  2. Pingback: Nachts um halb drei – oder vom Nutzen von Bibliotheken für Kommunen | Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW

  3. Pingback: Aller guten Dinge sind 3 ODER Warum es sich lohnt, am roten Faden zu spinnen und eine Bibliotheksstrategie zu entwickeln | Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.