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Unterwegs in NRW von Blankenheim bis Recke

5:30 Uhr an einem Montagmorgen. Ich bin auf dem Weg zu meinem nächsten Beratungstermin in einer kleinen Bibliothek in Westfalen. Auf den Straßen ist noch nicht viel Betrieb während ich mich auf den Weg zur Haltestelle mache. Die Bahnfahrt kann ich nutzen um meine Notizen noch einmal durchzugehen und Anmerkungen zu machen. Der Blick in den Statistikauszug offenbart einen nicht ungewöhnlichen Fall. Ausbleibende Anmeldungen, sinkende Verleihzahlen besonders bei den Sachbüchern.

Bibliotheken wichtiger denn je….

Die Digitalisierung und die damit einhergehenden Recherchemöglichkeiten im Internet, beeinflussen das Informationsverhalten der Gesellschaft. Das macht Bibliotheken nicht überflüssig, verändert aber deutlich ihren Schwerpunkt. Wo heute weniger physische Bestände [1] gefragt sind gewinnt die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz an Bedeutung. Denn mehr verfügbare Information bedeutet nicht automatisch auch, dass diese immer allen Qualitätsansprüchen gerecht wird.

An guten Ideen mangelt es nicht….

Oft versuche ich in einem telefonischen Vorgespräch die Ziele und Erwartungen der Bibliothek einzuschätzen um individuell besser Beraten zu können. Die veränderten Rahmenbedingungen fordern die Innovationskraft der Kolleginnen und Kollegen in den Stadtbibliotheken. An guten Ideen mangelt es nicht, wohl aber an Möglichkeiten zur Realisierung. Aufgrund von immer knapper werdenden finanziellen und personellen Ressourcen fehlt vielen neben dem Tagesgeschäft die Zeit neue Konzepte umzusetzen. Ich freue mich deshalb immer, wenn auch vorgesetzte Fachbereichsleiter, Dezernenten oder Beigeordnete beim Beratungsgespräch dabei sind. Vielen Entscheidern in Politik und Verwaltung fehlt einfach der überregionale Blick auf Bibliotheken. Oft werden dann schlechte Ausleihzahlen für ein regionales Problem gehalten und als Zeichen dafür interpretiert, dass Bibliotheken heute nicht mehr den gleichen Stellenwert haben wie noch vor 20 Jahren. Der Spardruck, unter dem viele Kommunen in NRW stehen, trägt hierzu natürlich einiges bei.

Auch heute werde ich auf diese Zusammenhänge hinweisen und deutlich machen, welche Vorteile eine gut ausgestattete Bibliothek als Dienstleister für die Kommune haben kann. Ich werde versuchen die Kollegen zu überzeugen, mutig zu sein und zu experimentieren. Wo es hilfreich ist, werde ich auch Ideen aus anderen Bibliotheken in NRW und darüber hinaus vorstellen.

Unsere Vorschläge werden fast immer sehr positiv aufgenommen. Das Ergebnis ist manchmal ein neues Projekt, manchmal die Optimierung eines bereits vorhandenen Angebotes und in einigen Fällen sogar eine gänzlich neue Bibliothekskonzeption.

Freiräume für Kundenberatung und -betreuung….

Auch die Einführung von RFID-Technik, die das Tagesgeschäft effizienter macht und Freiräume für Beratung und Betreuung von Bibliothekskunden schafft, ist ein wichtiges Beratungsthema. War dies früher lediglich für Großstadtsysteme denkbar, gibt es in den letzten Jahren mehr und mehr Klein- und Mittelstadtbibliotheken, die über eine Einführung von Selbstverbuchung durch die Bibliothekskunden nachdenken. Neben den rein technischen Fragestellungen zieht dies jedoch auch immer organisatorische Veränderungen nach sich. Für ein ausgeklügeltes Projektmanagement fehlt in kleinen Einrichtungen ebenfalls häufig Personal und Zeit.

Wenn es um RFID-Technik geht, fahren wir häufig zu zweit zu den Beratungsterminen. Auch wir Fachstellenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter haben unsere Schwerpunkte. Während ich mich vorwiegend um den technischen und bibliotheksfachlichen Teil kümmere, ist meine Kollegin Anja Thimm spezialisiert auf Raumgestaltung.

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Unterwegs in NRW: v.l.n.r. Mark-Robin Horn, Frederike Rohde und Eva Göring vor der Stadtbücherei Steinfurt

Im Trend: Raumgestaltung – Informationskompetenz – Kooperation….

Räumliche Veränderungen waren 2016 ein weiterer wichtiger Beratungsschwerpunkt der Fachstelle. Ob Neugestaltung der Jugendbibliothek oder Einrichtung neuer Funktionsbereiche, bis hin zur vollständigen Neumöblierung der gesamten Bibliothek, gab es in 2016 nahezu alle Fälle.

Auch die Zusammenarbeit von Bibliotheken und Schulen, sowie die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz beschäftigt viele Bibliotheken und damit vor allem in Person von Julia Rittel auch die Fachstelle.

Eine Sauerländische Kleinstadt ist mit einer Rheinischen Großstadt nich zu vergleichen….

Als ich die Bibliothek verlasse und mich auf den Weg zum Bahnhof mache, lasse ich die letzten zwei Stunden noch einmal Revue passieren und bin insgesamt zufrieden. Klar, eine Sauerländische Kleinstadt ist mit einer Rheinischen Großstadt nicht zu vergleichen und wir denken Fortschritt immer als die Summe vieler kleiner Schritte. Aber ich habe das Gefühl, dass wir heute diese Bewegung angestoßen haben.

Auf dem Rückweg poste ich ein Foto von meinem Bibliotheksbesuch auf Facebook. Kommunikation gehört dazu, wenn man für die Fachstelle unterwegs ist. Vielen Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken wird erst hierdurch wirklich klar, dass wir uns um ihre Anliegen kümmern, nicht nur, wenn es sich um ein teures Projekt handelt. Auch wenn es an finanziellen Mitteln oft mangelt, an Engagement fehlt es jedenfalls nicht. So unterschiedlich die Bibliotheken auch sind, dies ist ihnen allen gemeinsam – ob im Rheinland oder Ruhrgebiet, Eifel, Lippe, Hellweg, Münster- Sauer- oder Siegerland.


Weitere Informationen:

[1] Blogbeiträge „Makerspaces und Bibliotheken“, 21.02.2017„Makerspaces“, 16.01.14 / „Makerspaces – wie geht es weiter?“, 29.01.2014

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Mein Schwerpunkt ist die Bibliothek als realer, physischer Ort. Außerdem bin ich als bibliothekarischer Berater in den Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster unterwegs.

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