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Im Alter begleiten

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken u.a. durch die finanzielle Förderung von innovativen Projekten. Die Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW stellt in lockerer Reihenfolge interessante Praxisbeispiele aus verschiedenen Förderprogrammen in Form von Gastbeiträgen auf ihrem Blog vor. Der vorliegende Beitrag stellt das Konzept der Stadtbüchereien Ennepetal, Schwelm und Sprockhövel vor, die ein Kooperationsprojekt zum Thema Demenz durchgeführt haben.

Demenz – ein wichtiges Thema auch für Bibliotheken

Im Hinblick auf den demografischen Wandel ist es auch für die Stadtbüchereien wichtig, sich mit dem Thema Demenz und den damit verbundenen Folgen auseinanderzusetzen und durch Informationen, Dienstleistungs- und Begegnungsangebote den Begleitprozess zu unterstützen.

Die Stadtbüchereien Schwelm, Sprockhövel und Ennepetal sind durch verschiedene Bildungspartnerschaften im Bereich der Leseförderung für Kinder und Jugendliche gut aufgestellt, die Medienauswahl und –beratung zur Unterstützung der Demenzbetreuung wurde bislang jedoch nicht in den Fokus gerückt. Auch die Kooperationen mit Pflege- und Betreuungseinrichtungen waren eher sporadischer Natur.

Im Jahr 2015 wurde deshalb mit der Zielsetzung ein Antrag auf Landesmittelförderung gestellt, soziale Einrichtungen, engagierte Gruppen und ehrenamtlich Tätige anzusprechen und mit Medien- und Aktionsangeboten durch die drei Stadtbüchereien Unterstützung zu bieten.

Dem Thema Demenz sollte durch Informationen und Veranstaltungen im öffentlichen Raum mehr Aufmerksamkeit verschafft werden. Die Stadtbüchereien stellten sich als neuer Kooperationspartner vor, Partnerschaften und Netzwerke sollten auf- und ausgebaut werden.

Die Projekt-Bausteine

Zusätzlich zur Anschaffung der Ratgeberliteratur für Betroffene und Angehörige schafften die Stadtbüchereien Erinnerungskoffer, Demenz-Taschen und Medienboxen zu den Themen „Aktivierung“, „Erlebnis“ und „Vorlesen“ an.

Auf besonderes Interesse stießen die Bildkarten für die Kamishibais[1]. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Stadtarchiven wurden Bilderserien erstellt, die alte Ansichten der jeweiligen Städte zeigen.

Ein Literaturverzeichnis erschließt die Bestände aller drei Büchereien. Das Verzeichnis wurde an die örtlichen Seniorenheime, Pflegeberatungen und Demenz-Sprechstunden zur Information und Auslage verschickt und liegt in den Räumen der Stadtbüchereien zur Mitnahme aus. Im Rahmen der interkommunalen Fernleihe können die Medien per Kreiskurier ausgetauscht werden.

Darüber hinaus bewirbt das Verzeichnis das umfangreiche Angebot über den Projektzeitraum hinaus.

Veranstaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit

Konzentriert auf die letzten vier Monate des Jahres 2015 fanden Lesungen, Fortbildungen und Workshops statt, die von allen drei Stadtbüchereien gemeinsam geplant und in einem Veranstaltungsverzeichnis aufgeführt wurden.

Die Auftaktveranstaltung fand in Kooperation mit dem Netzwerk Demenz im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis statt. Zum „Welt-Alzheimer-Tag“ am 21. September wurde der Filmemacher und Autor David Sieveking eingeladen, der aus seinem Buch „Vergiss mein nicht – wie meine Mutter ihr Gedächtnis verlor und ich meine Eltern neu entdeckte“ erzählte und dazu Filmausschnitte zeigte.

Umrahmt wurde der Projektzeitraum von der Ausstellung „ErinnerungsStoff – Alte Stoffe erzählen Geschichten“, die von Oktober – Dezember durch die drei Städte gewandert ist und in den Räumen der Stadtbüchereien präsentiert wurde. Zahlreiche Menschen fanden den Weg in die Stadtbüchereien, um die Stoffe zu betrachten und die Texte zu lesen. Vor den Ausstellungsstücken wurden Erinnerungen ausgetauscht und teilweise auch im dazugehörigen „Fühlkoffer“ aufgeschrieben, so dass diese neuen Erinnerungen mit der Ausstellung „weiterwandern“.

Zum Kennenlernen der verschiedenen Medien fanden Workshops und Fortbildungen statt, u.a. mit dem Thema: „Vorlesen und Demenz“ und „Vorlesen und Erzählen mit dem Kamishibai“.

Veranstaltungshöhepunkt war der Workshop „Weckworte“ mit dem Poetry-Slammer Lars Ruppel, der an zwei Tagen jeweils in Ennepetal und Schwelm den Teilnehmern den Vortrag von klassischen Gedichten für Menschen mit Einschränkungen jedweder Art mit den „Weckworte“-Techniken nahe brachte.

In Ennepetal nahmen Schülerinnen und Schüler des örtlichen Berufskollegs sowie Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Ehrenamtliche eines örtlichen Seniorenheims an der Fortbildung teil – eine für alle Teilnehmer interessante und spannende Zusammensetzung. Direkt im Anschluss an den Workshop wendete die Gruppe im örtlichen Seniorenheim „St. Elisabeth“ das Gelernte an.

Eine sehr beeindruckende Veranstaltung, die allen Teilnehmenden lange im Gedächtnis blieb und unter die Haut ging.

Fazit

Dieses Projekt ist ein durchweg gelungenes, erfolgreiches und vor allem nachhaltiges Projekt. Die in allen drei Stadtbüchereien angeschafften Bestandsergänzungen werden auch über den Projektzeitraum hinaus rege von den unterschiedlichen Leserkreisen (angefangen bei der ehrenamtlichen Vorleserin im Seniorenheim über die Pflegekraft bis hin zum Rat suchenden Angehörigen) genutzt.

Hervorzuheben ist die Zusammenarbeit zwischen den Stadtbüchereien, die über Absprachen zur Bestandsplanung weit hinausreichte.

[1] Kamishibai ist eine japanische Form des Erzähltheaters, bei dem die Handlung durch Bildtafeln in einem bühnenähnlichen Rahmen dargestellt wird. http://www.duden.de/rechtschreibung/Kamishibai


Die Stadtbüchereien Ennepetal, Schwelm und Sprockhövel stellen sich vor:

Ennepetal liegt im Süden des Ruhrgebiets, ist dort dem Ennepe-Ruhr-Kreis angehörig und darf sich seit 2012 „Stadt der Kluterthöhle“ nennen. Die drei Standorte der Stadtbücherei Ennepetal versorgen ca. 30 000 Einwohner der Stadt. Die Zweigestelle Ennepetal-Voerde legt ihren Fokus auf ein Angebot von Medien für Kinder und Romane. Da sich die zweite Zweigestelle im Neubau einer Schule befindet, richtet sich das Angebot hauptsächlich auf Jugendmedien und unterrichtsrelevante Sachbücher. Trotz des Standortes ist sie für jeden Bürger zugänglich. Insgesamt werden in der Stadtbücherei vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und drei ehrenamtlich Tätige beschäftigt.

Schwelm ist die Kreisstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises und ist Heimat von 28 330 Einwohnern. Neben der Büchereileitung Frau Kornelia Wilberg arbeiten drei weitere Angestellte und vier ehrenamtlich Beschäftigte in der Stadtbücherei Schwelm. Die Bücherei besteht seit 1872, so kann dieses Jahr 145 Jahre Stadtbücherei Schwelm gefeiert werden.

Sprockhövel ist mit 25 205 Einwohnern ebenfalls kreisangehörige Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises. Die Stadtbücherei Sprockhövel wird wie die Bücherei in Schwelm von Kornelia Wilberg geleitet. Hier wird sie von zwei weiteren Beschäftigen unterstützt. Zu dritt werden so die beiden Standorte in Haßlinghausen und Niedersprockhövel geführt. Die Stadtbücherei ist Teilnehmer von Bildungspartner Bibliothek und Schule.

Weitere Informationen auf den Webseiten der Bibliotheken unter:

Ansprechpartner:

Eva Renner
Stadtbücherei Ennepetal
Gasstr. 10
58256 Ennepetal
E-Mail: erenner[at]ennepetal.de

Kornelia Wilberg
Stadtbücherei Schwelm
Hauptstraße 9-11
58332 Schwelm
E-Mail: wilberg[at]schwelm.de

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v.l.n.r.: Verena Lückel (Stadtbücherei Ennepetal), Pia Grebe (Netzwerk Demenz im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis), Kornelia Wilberg (Stadtbüchereien Schwelm und Sprockhövel)

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