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Bibliotheken – der Zugang zu Information und Bildung für Flüchtlinge und Asylbewerber

Die Nachfrage nach Angeboten in Bibliotheken für Flüchtlinge und Asylbewerber, hat sich im letzten Jahr vervielfacht. Wenn die Anzahl der Asylerstanträge im 1. Quartal dieses Jahres in NRW als Vergleich herangezogen werden kann, hat sich der Bedarf schlichtweg verdoppelt. Da die Situation sich aktuell sehr verändert, gibt es auch in den Kommunen viele Veränderungen und ortsabhängige Lösungen, die derzeit erprobt werden.

Angebot mit Partnern:
Die Arbeit mit Partnern ist für viele Bibliotheken unerlässlich. Die Ansprache der Flüchtlinge muss direkt vor Ort im persönlichen Gespräch erfolgen. Oftmals sind die Personen der deutschen Schrift noch nicht mächtig oder trauen sich nicht von alleine zu kommen. Es ist also eine direkte Vermittlung der Angebote über Personen nötig. Da viele Bibliotheken es personell nicht stemmen können, direkt mit den einzelnen Flüchtlingen in Kontakt zu treten, sind Partner bei der Vermittlung unerlässlich.
Partner sind: z.B. Wohlfahrtsverbände, Kirchen oder die Flüchtlingsbeauftragen der Stadt. Wenn es um schulpflichtige Kinder/Jugendliche geht, sind die Schulen bzw. die Lehrer direkte Ansprechpartner. Auch Integrationskurse der VHS, Jugendzentren oder andere ehrenamtliche Organisationen in der Stadt könnten Kontaktpersonen sein.

Angebote der Bibliothek:
In der Bibliothek sollte die Qualifizierung der Mitarbeiter dieser Entwicklung angepasst werden. Mitarbeiter sollten Auskunft auf Englisch oder in anderen Fremdsprachen geben können. Die Sensibilität für andere Kulturen muss unter Umständen nochmals geschärft werden.
Oftmals besteht ein akuter Raumbedarf, wo ehrenamtliche Helfer sich mit ihrer Gruppe treffen können. Hier kann die Bibliothek als Aufenthaltsort dienen. Kostenloses WLAN ist hierfür hilfreich.
Ein angemessener Bestand an fremdsprachigen Medien und besonders auch an E-Medien ist nötig. Unter diesen Umständen ist die Vereinfachung des Weges von der Anmeldung in der Bibliothek bis zur Ausleihe noch einmal zu prüfen.

Möglicher Bestandsaufbau:

  • Hörbücher in deutscher Sprache um die Aussprache zu üben
  • Wimmelbilderbücher
  • Ting / TipToi Medien
  • Fremdsprachige /zweisprachige Zeitungen und Zeitschriften
  • Zweisprachige Comics
  • Aktuelle fremdsprachige Medien
  • fremdsprachige Medien über die Herkunftsländer (Aktuelles und Geschichte)
  • Medien in leichter Sprache

Einige Ideen bereits durchgeführter Angebote (ein paar sind vom dbv auf seiner Homepage bereits vorgestellt worden):

  • Medienboxen /-koffer in den Unterkünften (z.B. Stadtbibliothek Bremen)
  • Bibliotheksführungen für Flüchtlinge: zum Beispiel mit ehrenamtlichen Mentoren / Initiativen in der Stadt, die mit ihren Schützlingen zusammen die Bibliothek besuchen (Stadtbibliothek Köln), das Konzept für so eine Führung beschreibt die Stadtbibliothek Erlangen)
  • Lesestart-Sets der Stiftung Lesen an Flüchtlingsheime verteilen (z.B. Stadtbibliothek Köln)
  • Integrationskurse der VHS in der Stadt besuchen die Bibliothek
  • Willkommensspaziergänge von ehrenamtl. Helfern für Flüchtlinge in der Stadt besuchen auch die Bibliothek (Stadtbibliothek Frechen)
  • Bilderbuchkino für Flüchtlingsfamilien (auf deutsch) mit Hilfe von ehrenamtl. Helfern (geplant, Stadtbibliothek Frechen)
  • Zweisprachige Jugendliche aus Jugendzentren führen Bibliotheksführungen mit Jugendlichen aus Auffangklassen in der jeweiligen Muttersprache durch (Stadtbibliothek Minden)
  • Flüchtlinge selber als ehrenamtl. Helfer / Kulturvermittler einbinden (z.B. Asylothek).
  • Vernetzung mit anderen ehrenamtlichen Helfern zum Beispiel über Social Media Kanäle möglich

Ergänzung:

  • Bücherbus besucht Gemeinschaftsunterkunft und verschenkt Bücher, Spiele etc. Zusätzlich gibt es ein Bilderbuchkino, Vorlesen in mehreren Sprachen und eine Bastelaktion (z.B. Stadtbibliothek München)
  • UNICEF-Ausstellung und Dialogabend in der Bibliothek mit Flüchtlingen aus dem Integrationskurs der vhs und Menschen aus div. Organistionen (Stadtbücherei Erkrath)
  • Wöchentlich kostenloses Filmangebot im Vorführraum der Stadtbibliothek München. Es werden unterhaltsame (ältere) Kinofilme gezeigt (geplant ab September 2015) und die Zielgruppe wird speziell eingeladen.
  • PCs inkl. Headset mit Lizenzen für interaktive Sprachlern-Software (Rosetta Stone) in der Stadtbücherei Wermelskirchen
  • Lernpatenschaften von ehrenamtlichen Helfern: In der Stadtbücherei Erkrath werden Lernpaten mit den Materialien zum Deutschlernen vertraut gemacht und mit Tipps ausgestattet.
  • einige Verlage bieten inzwischen kostenlosen Zugang zu Sprachführern z.B. Reise Know-How, Langenscheidt Bibliotheken können auf diese Möglichkeit hinweisen.

Hat ihre Bibliothek Ideen, die Sie ausprobieren oder die sich bereits bewährt haben? Wir würden ihre Ideen gerne vorstellen, um andere Bibliotheken in ähnlicher Situation zu unterstützen.

3 Comments

  1. Andreas R.

    Danke für den interessanten Beitrag. Was mich aber noch interessiert, wie ist die Aussage „hat sich im letzten Jahr vervielfacht“ belegt? Führt ihr da spezielle Statistiken, ist das gefühlt oder besteht der Zugang nur für die Zielgruppe? Oder habt ihr einen linearen Zusammenhang zwischen Flüchtlingsanstieg und Nutzung der Bibliothek durch Flüchtlinge angenommen?

    • Sehr geehrter Andreas R.,
      Die Flüchtlinge sind in den Kommunen vor Ort und sind damit auch eine Zielgruppe der Bibliotheken. Daher steigt auch die Anforderung an die Bibliotheken für diese Gruppe nutzbare Angebote bereitzustellen.

  2. Pingback: Refugees im sprachlichen Neuland | Multisprech

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