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Jetzt schubsen Sie nur noch zu dritt!

Der Verbund der Lernort-Bibliotheken Enger, Harsewinkel, Hiddenhausen und Werther startete mit viel Schwung die Web 2.0-Aktivitäten Ende 2012. Die Bücherschubsen schieben ihren Facebook-Auftritt mit viel Enthusiasmus voran. Mit über 400 Fans sind sie zur Zeit der „Star“ unter den Verbünden. Dass Enthusiasmus nicht immer ausreicht um eine neue Aufgabe auf Dauer zu erledigen, musste die Bücherei Harsewinkel erleben. Sie verabschiedete sich Anfang 2014 aus dem Verbund. Dass die einjährige Erfahrung im Web 2.0 alles andere als verschwendete Zeit war, können Sie dem Bericht entnehmen:
Unbenannt

„Facebook: Weitermachen oder nicht? Diese Frage mussten sich die Bücherschubsen aus Harsewinkel nach einem Jahr stellen. Wir haben lange darüber nachgedacht und waren uns dann einig: für uns ist an dieser Stelle Schluss mit dem Online-schubsen. Erstmal.

Das vergangene Jahr war eine interessante und lehrreiche Erfahrung. Wir können nun einigermaßen (soweit Facebook uns lässt  ) nachvollziehen, wie Facebook arbeitet, wir konnten ausprobieren welche Beiträge funktionieren und was unsere LeserInnen interessiert oder eben auch nicht.

Allerdings zeigte sich auch, wie zeitaufwendig Facebook ist. Gerade in einem großen Team wie in Harsewinkel (22 Erwachsene, 4 Kinder, davon 20 Ehrenamtliche die zum großen Teil nur 1-2 mal im Monat in der Ausleihe aktiv sind) können nicht alle aktiv beteiligt werden. Als Leitung kann und will ich niemanden zwingen und den meisten fehlt das Interesse an Social-Media generell bzw. sie lehnen diese für sich privat grundsätzlich ab.

Wir haben uns daher zu viert – 2 Ehrenamtliche, 2 Angestellte – dem Projekt Facebook gestellt. Den Ehrenamtlichen fehlte aber während ihrer Dienste oft die Zeit, sich länger mit der Thematik zu beschäftigen.

Ein weiteres Entscheidungskriterium für uns ist die Auffassung, dass Facebook nicht mehr „die“ Plattform ist. Firmen nutzen Facebook hauptsächlich als Werbeplattform, für Bibliotheken soll es jedoch eher um den „sozialen Kitt“ gehen. Für Werbung ist die Facebook-Verbund-Lösung ohnehin schwierig, da zumindest bei uns die räumliche Entfernung zu den anderen 3 Büchereien nicht unerheblich ist. Den Kontakt zu unseren Kunden können unserer Meinung nach gerade kleinere Büchereien mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern persönlich und direkt vor Ort viel besser aufbauen. Die Menschlichkeit und der enge Kundenkontakt und –Bezug ist unsere Stärke. Neue Leser über Facebook zu gewinnen ist sowieso eher unwahrscheinlich, wer sich nicht für Bibliotheken interessiert, wird auch nicht deren Facebook-Seite besuchen.

Die Vernetzung von Bibliotheken untereinander ist wichtig, aber auch hier bevorzugen wir weiterhin das direkte persönliche Gespräch.
In Bezug auf den Imagegewinn durch Facebook wird durch ein E-Book-Angebot oder gute Veranstaltungsarbeit sicher ein größerer Erfolg erzielt, der zudem auch noch messbar ist.
Alles in allem glauben wir, dass es für uns andere Wege gibt. – Durchaus online. Zum Beispiel wollen wir aufgrund der neuen Schubsen-Erfahrungen unsere Homepage überarbeiten. Auf alle Fälle werden wir die Aktivitäten der Schubsen ganz sicher weiterhin mit großem Interesse verfolgen.“

2 Comments

  1. Martin

    Hallo zusammen,

    offene, ehrliche Worte, vielen Dank dafür. Wenn ich darf, würde ich gern, ein, zwei Gedanken dazu aufschreiben. Eines vorweg, wenn das Team privat ein Problem mit sozialen Netzwerken hat, ist es enorm schwierig, eine gute Arbeit in eben diesen Netzwerken zu leisten, da bin ich völlig d’accord. Ebenso freue ich mich zu lesen, dass das Arbeiten in sozialen Netzen eben das ist . Arbeit. Oftmals entsteht, auch bei Kollegen, der Eindruck, man könne das „mal eben erledigen“, so ist das aber nicht. Bei ein, zwei anderen Aussagen würde ich gerne etwas differnezieren.
    Facebook ist nicht mehr „die“ Plattform. Die Plattform für was? Nicht mehr „die“ Plattform für Kinder und Jugendliche? Das stimmt. Das Ganze verschiebt sich. Trotzdem haben wir mit knapp 27 Millionen deutschen Nutzern so viele wie nie zuvor. Facebook ist also immer noch ein wichtiges Medium, wenn auch mittlerweile für eine andere Altersgruppe.

    Ich kriege immer ein bisschen Bauchschmerzen, wenn ich Sätze wie diese hier lese:

    „Firmen nutzen Facebook hauptsächlich als Werbeplattform, für Bibliotheken soll es jedoch eher um den „sozialen Kitt“ gehen. […] Den Kontakt zu unseren Kunden können unserer Meinung nach gerade kleinere Büchereien mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern persönlich und direkt vor Ort viel besser aufbauen. Die Menschlichkeit und der enge Kundenkontakt und –Bezug ist unsere Stärke.[…]Neue Leser über Facebook zu gewinnen ist sowieso eher unwahrscheinlich, wer sich nicht für Bibliotheken interessiert, wird auch nicht deren Facebook-Seite besuchen.“

    Wer Facebook hauptsächlich als Werbeplattform benutzt, verschenkt, meiner Meinung nach, viel Potenzial. Der von Euch angesprochene „soziale Kit“ ist doch genau das, um das es geht. Die Facebookseite, also das, worauf wir uns als Bibliothek „austoben“ ist doch, begreift man Social Media als Ganzes, nur ein kleiner Teil der Arbeit. Es geht doch darum, sich und seine Arbeit und sein Wirken in den Gruppen zu präsentieren, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Auch im kleinsten Dorf gibt es Facebook Gruppen, in denen ich Netzwerken kann. Die freiwillige Feuerwehr hier, der Hausfrauenverein dort. Ich als Person muss da ran.
    Ihr schreibt, den Kontakt zu euren Kunden könnt ihr besser persönlich aufbauen. Nun, genau das ist es doch, was man auf sozialen Netzwerken tut. Nochmal, es geht gar nicht so sehr um die Facebookseite an sich, es geht um das Netzwerken in den Gruppen. Und das geht nur mit einem privaten Profil. Dazu muss ich mich mit den Gruppenthemen beschäftigen und mich auf die Menschen dort einlassen, eben in den persönlichen Kontakt gehen. Ob ich das nun online, via eines sozialen Netzwerkes mache, oder wenn ich den Menschen im Dorf beim Bäcker treffe, ist egal, die Funktion ist die gleiche.
    Neue Leser gewinnt man nicht über Facebook. Da ist was dran. Aber, neue Leser gewinnt man, indem man einen Menschen aus einem Kreis von Interessierten über Facebook zu einer exklusiven Führung einlädt und dieser dann Freunde mitbringt. Vielleicht führt eine gute social Media Arbeit nicht unmittelbar zu einem neuen Leser….aber über ein, zwei Ecken dann eben doch. Und wenn ich etwas mit meiner „Community“ unternehme, wird die Online-Arbeit plötzlich auch ganz Offline und messbar.

    „Die Vernetzung von Bibliotheken untereinander ist wichtig, aber auch hier bevorzugen wir weiterhin das direkte persönliche Gespräch.“

    Das klingt so nach entweder oder. Ich genieße nichts mehr, als auf dem BibCamp etwa meine Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland zu treffen oder mir die geniale Veranstaltungsarbeit in Köln live und „in Echt“ anzuschauen. Trotzdem möchte ich eine Facebookgruppe wie „biblioadmin“ nicht einen Tag mehr missen. Auch ich bervorzuge das direkte persönliche Gespräch, freue mich aber auch über einen Hangout-Chat oder einen Austausch auf einer Facebook-Seite. Diese Trennung von off- und online ist, denke ich, oftmals eh eine obsolete Sicht auf die Dinge. Die meisten Menschen, und damit eben auch unsere Nutzer, leben doch in beiden Welten.

    Aber, und deshalb kann ich die Entscheidung auch voll nachvollziehen, wenn in einem Bibliotheksteam niemand ist, der privat „im Netz“ lebt, dann wir es ganz, ganz schwierig, sich dort breit und souverän aufzustellen. Und dann ist so eine Entscheidung, wie ihr sie treffen musstet, konsequent und die einzig richtige Wahl. Bevor ich einen halbherzigen und vielleicht sogar kontraproduktiven Auftritt hinlege, lasse ich lieber die Finger davon. Schade ist es allemal, ich habe alle „Bücherschubsen“ Beiträge gern gelesen….

    Just my 2 cents
    Martin

  2. Pingback: Web 2.0-Angebote und –Dienste in kleinen Bibliotheken – wir feiern Zweijähriges! | Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW

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