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Lernort Bibliothek – zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Teil 13

Qualifizierungsprogramm, Online-Aktivitäten in der Stadtbücherei Münster / Erfahrungsbericht

Im Laufe des Jahres 2009 hatte eine Arbeitsgruppe – wir haben sie „Ideentanke“ getauft – den Auftrag, sich mit Zukunftsentwicklungen in Bibliotheken zu beschäftigen. Das Ergebnis dieser Aktivitäten war die Erkenntnis, dass neben der Bibliothek als attraktiver Lern- und Aufenthaltsraum mit den physisch vorhandenen Medien, gleichberechtigt und deutlich wahrnehmbar die „virtuelle Bibliothek“ stehen muss. Bibliotheken müssen verstärkt in Online-Angebote – e-Books, interaktive Bibliothekskataloge, Beteiligung an sozialen Netzwerken…. – investieren, um Kunden zu halten und neue zu gewinnen.
Der Wandel des Anfangs eher statischen Internet zum WEB 2.0, in dem praktisch jeder Nutzer ohne große technische Vorkenntnisse Inhalte beisteuern kann und „mitmacht“, hat weitreichende Konsequenzen für den Umgang mit Informationen und eröffnet neue Formen der Kommunikation und Beteiligung.
In Folge dieser Erkenntnisse wurde bereits Ende 2009 eine „WEB 2.0-Werkstatt“ geplant. Deren Auftrag: „Die Stadtbücherei nutzt WEB 2.0-Anwendungen, um ihr Spektrum an bibliothekarischen Dienstleistungen zu erweitern, Kunden eine Plattform für Austausch und Beteiligung zu bieten und durch einen attraktiven virtuellen Auftritt neue Kunden zu gewinnen“.
Auch in der Ausschreibung für eine neue Bibliothekssoftware – die leider ohne ausreichendes Ergebnis aufgehoben werden musste – waren WEB 2.0-Funktionalitäten wichtige Kriterien.

Parallel zu diesen internen Überlegungen beteiligte sich die Stadtbücherei Münster am Pilotprojekt „Lernort Bibliothek – zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, in dem die beteiligten Bibliotheken ebenfalls für sich formulierten, dass „Lernen und Informationsbeschaffung immer mehr von den Möglichkeiten und der Dynamik des Internet und des WEB 2.0 geprägt“ werden und dies als wichtiges Handlungsfeld definierten.

Das daraus resultierende über das Projekt angebotene Qualifizierungsprogramm war für die vier Mitglieder unserer WEB 2.0-Werkstatt und die weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der optimale Einstieg in das Thema. Das komplexe und kompakte Angebot hat für große Dynamik in der Auseinandersetzung mit den WEB 2.0-Tools gesorgt. Von Mitte Januar bis Mitte Mai 2010 haben jeweils zwischen 12 und 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den 5 Modulen des Qualifizierungsprogramms teilgenommen. Im Herbst hat ein Kollege noch einmal einführende Infos zum WEB 2.0 angeboten für all diejenigen, die an den offiziellen Modulen nicht teilnehmen konnten.

Die Module 1 bis 3 – Einführung, Werkzeuge, Marketing – waren extrem anregend. Nahezu alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren „angefixt“ und wollten am liebsten mit möglichst vielen Tools gleichzeitig anfangen zu arbeiten. Die Resonanz auf Modul 4 (Games) war eher zurückhaltend, da die Stadtbücherei Münster Ende 2009 ihr Angebot um Playstation- und Nintendo-Spiele erweitert hatte und in diesem Kontext bereits intern Infoveranstaltungen zum Thema „Games“ angeboten und organisiert hatte.
Die Veranstaltung zum Modul 5 – Entwicklung neuer Services – war in der Diskussion zäh, hatte aber dann später doch ein Ergebnis – die Stadtbücherei startete Ende Juli ihren Facebook-Auftritt www.facebook.com/stadtbuecherei.muenster und hat inzwischen über 290 „Freunde“ (Stand 01.12.2010). Die WEB 2.0-Werkstatt formulierte einige Regeln für den Umgang und hat sich verpflichtet „täglich 1 Nachricht“ zu posten – und das funktioniert auch!
Ein Facebook-Vortrag unseres Kooperationspartners Bürgernetz e.V., den wir während der Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek“ angeboten haben, stieß auf großes Interesse bei unseren Kunden.

Begleitend zu den Aktivitäten der Stadtbücherei wurde das Thema WEB 2.0 mit weiteren Ämtern der Stadtverwaltung Münster kommuniziert – Presseamt und EDV-Dienstleister sind Partner, die unbedingt mit ins Boot geholt werden müssen. Auf Initiative der Stadtbücherei hatte die zuständige Dezernentin im Herbst Herrn Deeg von der „Zukunftswerkstatt“ zu einem WEB 2.0-Vortrag vor zahlreichen Amtsleitern eingeladen. Hier hat Herr Deeg die Stadtbücherei als „Innovationsmotor“ für die Stadt Münster bezeichnet. Inzwischen hat auch die Stadt Münster einen Facebook-Auftritt und das Presseamt hat Infos und Regeln für alle interessierten Ämter formuliert.

Den diesjährigen SommerLeseclub haben wir mit einem Blog begleitet http://slcmuenster.wordpress.com/ – eine Übungswiese für 2 Kolleginnen, die ihr Wissen jetzt mit anderen teilen können, wenn wir weitere Blogs starten. Auch eine junge Kollegin, die derzeit ihr FSJ Kultur bei uns leistet, bloggt http://jeanne447.wordpress.com/ . Es ist spannend zu sehen, wie locker und witzig jemand schreibt, für den der Umgang mit WEB 2.0-Tools eine Selbstverständlichkeit ist.

Für 2011 werden mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Stadtbücherei Münster Ziele unter der Überschrift „Festigung des Umgangs mit den virtuellen Angeboten“ vereinbart. Das können sein Vereinbarungen zum Umgang mit dem im August gestarteten Divibib-Angebot „muensterload“ www.muensterload.de, Ideen zu Facebook, Beiträge zu unserem neuen bibliothekseigenen Wiki („Wikibib“), Überlegungen zu Linksammlungen…
Fest geplant sind auch ein „Zweigstellenblog“ und ein „Auskunftsblog“, mit denen wir ausprobieren wollen, wie die interne Kommunikation verbessert werden kann.
Die WEB 2.0-Werkstatt wird darüber hinaus prüfen, welche weiteren WEB 2.0-Anwendungen – wie delicious, Mr. Wong, Doodle, StudiVZ, Twitter.. – eingesetzt werden können.

Die Herausforderung der nächsten Zeit wird sein, WEB 2.0 Angebote / Online-Aktivitäten dauerhaft als selbstverständliche Aufgabe zu etablieren, immer „am Ball“ zu bleiben und dafür den Freiraum zu schaffen. Personelle Ressourcen müssen verlagert, „alte“ Aufgaben hinterfragt werden.

Stadtbücherei Münster
Christiane Ehrig

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