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Lernort Bibliothek – zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Teil 9

Handlungsfeld III: „Mitarbeiterqualifizierung“

Wie kann das Verständnis für die sich mit fortschreitender Digitalisierung verändernden Arbeitswelt beim Bibliothekspersonal geweckt werden? Wie können die Bibliotheken zukünftig neue Technologien nicht nur verstehen und nutzen, sondern aktiv mit gestalten?

Dies war eine der Kernfragen, mit denen sich die Online-Arbeitsgruppe im Rahmen des Projekts „Lernort Bibliothek“ beschäftigt hat. Wir berichteten in Teil 8 unserer Reihe.
Sich theoretisch mit dieser Frage auseinander zu setzen, ist wichtig und sinnvoll. Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, ermöglicht die Theorie zu überprüfen. Beides miteinander zu verzahnen, ist ein guter Weg zu praktikablen Ergebnissen zu gelangen.

Aus diesem Grund beschloss die Projektleitung, parallel zu den beiden Handlungsfeldern „Architektonische Gestaltung eines Lernortes“ und „Online-Angebote für Öffentliche Bibliotheken“ in einem dritten Handlungsfeld die Teams in den Projektbibliotheken zu qualifizieren. In der Zukunftswerkstatt e.V. fand das Land Nordrhein-Westfalen einen kompetenten und engagierten Partner.

Gemeinsam wurde ein Qualifizierungsprogramm in fünf Modulen entwickelt. Dabei ging man von zwei Prämissen aus:
1. Um eine neue Angebotspalette zu entwickeln und in den Bibliotheksalltag zu integrieren, genügt es nicht, wenn ein oder zwei Personen zu einer Fortbildung geschickt werden. Das gesamte Team muss ein Grundverständnis für das neue Aufgabengebiet entwickeln.
2. Das Gelernte muss möglichst umgehend in Handlungen umgesetzt werden.

Deshalb wurde beschlossen, jeweils das gesamte Bibliotheksteam gemeinsam zu schulen und Theorie mit praktischen Übungen zu kombinieren. Dieses Angebot wurde von den Projektbibliotheken gerne angenommen. Sie erklärten sich bereit, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an allen fünf Modulen teilnehmen zu lassen. Ausnahme bildeten die beiden Großstadtbibliotheken Köln und Münster. Hier konnten jeweils 24 Personen am kompletten Schulungsprogramm teilnehmen. Die beiden Bibliotheken entwickelten ihrerseits Verfahren, das Gelernte an weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzugeben.

Für die kleineren Bibliotheken bedeuteten diese Rahmenbedingungen, die Bibliothek auch einmal an einem Tag zu schließen. Ob sich dies gelohnt hat, können Sie den Erfahrungsberichten entnehmen, die im Anschluss an diesen Beitrag auf unserem Blog veröffentlicht werden. Dazu später mehr, zunächst sollen die fünf Qualifizierungsmodule vorgestellt werden:

Modul 1: Web 2.0 und soziale Software für Bibliotheken – eine Einführung
In der ersten Veranstaltung ging es darum, dem Mitarbeiterteam zu verdeutlichen, welche Möglichkeiten das Internet bietet und was sich in der digitalen Welt bereits abspielt. Neugier sollte geweckt und Verständnis dafür entwickelt werden, dass Bibliotheken ohne Online-Angebote nur schwer auf Dauer den Kundenanforderungen entsprechen können.
Die bis zu 30 Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten einen anstrengenden Tag. Nicht selten wurde die Frage aufgeworfen „Inwieweit müssen wir uns damit beschäftigen?“ Personen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Interesse für das Internet mussten für die weitere Arbeit eine gemeinsame Basis finden. Zum ersten Mal diskutierte man intensiv miteinander, welche Veränderungen Online-Angebote für die Bibliotheksarbeit bedeuten.

Modul 2: Web 2.0 als Werkzeug interner Zusammenarbeit
An zwei aufeinander folgenden Tagen lernten die Teams verschiedene Web 2.0-Tools kennen, die die Organisation der eigenen Arbeit erleichtern können. In der Zwischenzeit sind alle Teams Doodle-Fans geworden – wie kann man besser Terminabsprachen treffen? Ein Wiki eignet sich bestens, Diskussionen zu führen und wichtige Informationen und Absprachen für alle jederzeit zugänglich zu machen. Ein gemeinsamer Online-Kalender – ob in Google oder Outlook – zeigt jedem, was in der Bibliothek alles los ist. Während der Fortbildung wurde in praktischen Übungen gleich der Grundstein für die neuen Instrumente in der eigenen Bibliothek gelegt. An diesem wie auch am Modul 3 nahmen maximal 12 Personen teil.

Modul 3: Marketing für Bibliotheken im Web2.0
Im nächsten Schritt sollte die Basis für neue Online-Kommunikationswege mit den Bibliothekskunden gelegt werden. Was ist Facebook und wie funktioniert es? Wozu kann man einen Blog einsetzen und wie mache ich dies? Was ist das Geheimnis von Twitter? Schnell wurde allen bewusst, Online-Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Hier kommt es auf schnelle Antwortzeiten an. Nur wer auf die Twitter-Anfragen seiner Kunden auch zeitnah reagiert, hat das Medium verstanden. Auch in diesem zweitägigen Modul wurden in praktischen Übungen während der beiden Schulungstage erste Angebote aufgelegt.

Modul 4: Games – vom spielerischen Umgang mit Lernen und Wissensvermittlung
Ein für viele exotisches Erlebnis stellte der Ausflug in die Welt der Computer-Spiele dar. Wurden bisher – wenn überhaupt – PC-Spiele ausgeliehen, so wurde an diesem Tag deutlich, welchen Einfluss diese Branche auf die Entwicklung „seriöser“ Software-Programme hat. Hier werden die Anwendungen erfunden, die später zu Bestandteilen von Office-Programmen werden. Computer-Spiele vermitteln Kompetenzen im Umgang mit der Online-Welt. Man lernt, sich Neuem spielerisch zu nähern. Für Bibliotheken eröffnen sich neue Veranstaltungs- und Lernformen für ihre Kunden, wenn sie kreativ mit dem Medium PC-Spiele umgehen.
Dieser Schulungsteil war mit Sicherheit der Themenkomplex, dem man mit der größten Skepsis begegnete – auch noch nach der Veranstaltung. Er war aber ein wichtiger Blick über den Tellerrand und führte zum gemeinsamen Besuch der GamesCom in Köln – zugegeben der überwiegend jüngeren Team-Mitglieder.

Modul 5: Zukunftsworkshop zur Entwicklung neuer Services
Im letzten eintägigen Modul ging es darum, strategische Methoden zur Entwicklung neuer Angebote zu vermitteln. Hoffte man auf Entscheidungshilfen und Patentrezepte zur Verwirklichung der eigenen Online-Angebote, so wurde man enttäuscht. Die Teams sollten die in der Zwischenzeit entwickelte Ideen gemeinsam sortieren, prüfen und mit Prioritäten versehen. Am Ende des Tages wollte man mit einem konkreten Arbeitsauftrag und Zeitplan in die praktische Umsetzung eintreten. Natürlich war ein Tag zu kurz, um umfangreiche Aufgabenpläne zu schmieden. Wie man zu diesen gelangt, wurde aber deutlich. Für diesen Tag war die Teilnehmerzahl auf 20 Personen begrenzt.

Die Erfahrungen, die in diesem Jahr intensiver Schulung, Diskussion und Experimentierens gesammelt wurden, waren vielfältig – sowohl für die Bibliotheken als auch für das Land Nordrhein-Westfalen. Es wurde sehr deutlich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen der einzelnen Bibliotheken und der beteiligten Personen sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Vorgehensweise bewährt hat. Es war eine gute und richtige Entscheidung gerade in kleineren und mittleren Bibliotheken das gesamte Team einzubeziehen. Alle Bibliotheken sind in der Zwischenzeit mit neuen Angeboten online. Die praktischen Erfahrungen sind in die Empfehlungen, die die Online-AG erarbeitet hat, eingeflossen.

In den kommenden Blogbeiträgen berichten die Projektbibliotheken aus der Praxis des Projektes. Des Weiteren werden einzelne Web 2.0-Angebote in weiteren Beiträgen anhand der umgesetzten Online-Angebote kurz beleuchtet. Lesen Sie also im nächsten Blogbeitrag, wie es dem Team der Stadtbibliothek Bergheim ergangen ist.

Vorherige Beiträge zum Projekt finden Sie hier:
Teil 1: Das Projekt
Teil 2: Trendanalyse
Teil 3: Lernen – eine Definition
Teil 4: Kundenanforderungen
Teil 5: Das Konzept, Teil 1
Teil 6: Das Konzept, Teil 2
Teil 7: Raumgestaltung
Teil 8: Online-Angebote

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